Zu Gast: Jan Fleischhauer

Jan Fleischhauer bei „based.“: Warum die wahren Rebellen für ihn nicht mehr links sind

Der Publizist spricht in einer Live-Folge über Jugendprotest, sein „Coming Out“ als Konservativer und die Frage, was heute eigentlich noch rebellisch ist.

6. April 2026 · based. Podcast
Jan Fleischhauer bei „based.“: Warum die wahren Rebellen für ihn nicht mehr links sind

In der 94. Episode des Podcasts „based.“, aufgenommen live beim Open Summit von Prometheus, war Publizist Jan Fleischhauer zu Gast. Der frühere Spiegel-Redakteur, der heute für den Fokus schreibt, diskutierte mit den Moderatoren über politische Milieus, seine eigene Herkunft und die Frage, wo heute Widerstand und wo Anpassung zu finden ist. Ausgangspunkt war ein Tweet Fleischhauers, in dem er die Rebellen bei der Jungen Union verortet und den braven Teil bei Jusos und Grüner Jugend.

Wer heute rebellisch ist

Fleischhauer vergleicht den heutigen Jugendprotest mit früheren Formen und sieht darin vor allem Anpassung an eine Mehrheitsstimmung. Für ihn habe sich das Verhältnis von Protest und Braverei verschoben.

„Also das, was ja früher die Dorfjugend war oder die katholische Jugend, das sind heute die grüne Jugend, das ist ein bisschen so, also der brave Teil.“

Das wirklich Widerständige sieht er an anderer Stelle. Sich offen zur Freiheit zu bekennen, sei aus seiner Sicht heute die eigentliche Provokation. Bei der Frage, was ihn als Konservativen selbst antreibt, betonte er, dass er sich lieber anders bezeichne.

„Konservativ ist natürlich auch so ein, klingt so nach Konserve, ich würde mal heute sagen, ich bin reaktionär.“

Untergangsstimmung rechts wie links

Auch die politischen Ränder nimmt Fleischhauer in den Blick. Er beschreibt eine Art gespiegelter Angstlogik zwischen radikaler Linker und radikaler Rechter, die er beide als von Untergangsfantasien geprägt sieht.

„Also die einen fürchten sich halt davor, dass morgen der Klimatod uns alle da hinmacht und bei den Rechten, so dass der messerschwingende Migrant jetzt uns das Messer in den Rücken stößt.“

Sein eigenes Lebensgefühl grenzt er davon ab. Er berief sich auf einen Satz des österreichischen Volksdramatikers Johann Nestroy – „Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben“ – und darauf, dem Schrecken der Politik etwas Heiteres abzugewinnen.

Herkunft, Medienmilieu und ein Battle auf dem Marktplatz

Fleischhauer sprach über sein „gläubiges sozialdemokratisches“ Elternhaus und darüber, warum er sich im linken Milieu des Spiegels irgendwann als konservativ zu erkennen gab. Ausschlaggebend sei ein Gefühl der Gleichförmigkeit gewesen: In einem Umfeld, in dem sich alle für widerständig hielten und doch das Gleiche sagten, habe sich sein Widerspruchsgeist geregt.

Zum Schluss erzählte er von seiner Faszination für den ermordeten US-Aktivisten Charlie Kirk und dessen offenes Format an amerikanischen Hochschulen, das er als ursprüngliche Form des politischen Streits beschrieb – zwei Mikrofone, ungeschnitten, ohne Studioschutz. Daraus zieht er auch eine These über die aus seiner Sicht bestehende Sprachlosigkeit vieler Linker. Zugleich attestierte er der Linken-Politikerin Heidi Reichinnek eine gewisse Coolness und Furchtlosigkeit, ohne ihre Positionen zu teilen. Die Folge endete mit Dank an das Prometheus-Team und das Publikum der Live-Aufnahme.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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