Karoline Preisler über Gegenproteste in Berlin: „Ich staune, wie wenig Menschen das Leben lieben“
Die FDP-Politikerin und Aktivistin spricht im Podcast „based.“ über ihre stillen Gegenproteste bei propalästinensischen Demonstrationen, über erlebte Gewalt und ihr Beharren auf dem Gespräch.
Seit dem 7. Oktober 2023 steht Karoline Preisler regelmäßig mit Schildern und Blumen am Rand propalästinensischer Demonstrationen in Berlin. In der 98. Episode des Podcasts „based.“ erzählt die Volljuristin, FDP-Mitglied und Aktivistin, wie es zu diesem Engagement kam, welche Anfeindungen sie erlebt und warum sie das Gespräch mit ihren Gegnern trotzdem sucht.
Aus Protest wurde Dauerkonfrontation
Preisler beschreibt, dass viele der Versammlungen zwar friedlich angemeldet würden, im Kern aber ein anderes Ziel verfolgten. Auf den Demonstrationen erlebe sie einen aufgeladenen, teils gewalttätigen Ton.
eigentlich geht es um Umsturz, um die Beseitigung aller demokratischen Strukturen, und zwar im Nahen Osten genauso wie hier, und das finde ich, ist so das Perfide
Die Blumen in ihrer Hand hätten dabei eine doppelte Funktion: Sie sollten ihre Friedfertigkeit zeigen und sie zugleich davon abhalten, auf Angriffe körperlich zu reagieren. Zwischenzeitlich habe sie ihr öffentliches Engagement pausieren müssen, weil sie verletzt worden sei.
Drohungen und erlebte Gewalt
Preisler berichtet von einer Vielzahl an Drohungen, die sie erreichten – online wie direkt vor Ort. Sie schildert die Nachrichten, die ihr geschickt würden, in drastischen Worten.
mir schreiben, dass sie meine Kinder abfangen, vor der Schule abschlachten, dass sie uns vergewaltigen, dass sie uns zerstückeln, dass sie uns ermorden
Besonders beunruhige sie die Bereitschaft, das eigene Leben zu riskieren. Nach einem Angriff durch eine Frau am Checkpoint Charlie, die sie geschlagen und an ihrem Schild gezerrt habe, zieht Preisler eine ernüchterte Bilanz.
Es gibt Menschen, die sind bereit, für eine Sache zu sterben.
Warum sie das Gespräch sucht
Trotz allem hält Preisler am Dialog fest. Sie führe auf nahezu jeder Versammlung Gespräche, meist vor Beginn der Kundgebungen. Ihr Beweggrund liege in der Wertschätzung des Grundgesetzes und der Versammlungsfreiheit – sie sei in Prenzlauer Berg aufgewachsen und habe die Mauer erlebt. Ihr Engagement begründet sie auch mit Blick auf ihre Kinder: Sie wünsche sich, dass diese die gleiche Entscheidungsvielfalt hätten wie sie selbst. Zum Ende der Folge spricht sie über den Antisemitismus in verschiedenen politischen Spektren und wendet sich mit einer persönlichen Botschaft an jüdische Zuhörer und den Staat Israel: Sie entschuldige sich dafür, dass Deutschland aus ihrer Sicht „so enttäuschend reagiert“ habe. Ihre Gegenproteste knüpft Preisler an die Rückgabe der Geiseln – wolle sich danach aber weiter gegen Antisemitismus einsetzen, auch bei rechtsextremen Versammlungen.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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