Jan Fleischhauer über Rebellion, Reaktion und die Macht der Linken in den Medien
Bei der 94. Live-Folge von „based.“ spricht der Kolumnist über seinen Weg vom Spiegel zum Fokus, seinen boshaften Journalismus und die Frage, wo heute das eigentlich Rebellische liegt.
Zur 94. Episode von „based.“ begrüßen die Hosts Dominik Steffens und Benny Shelp beim Open Summit von Prometheus einen Gast, der für seine Spitze Feder bekannt ist: Jan Fleischhauer. 30 Jahre arbeitete er beim Spiegel, bevor er zum Fokus wechselte. Im Gespräch vor jungem Publikum geht es um sein politisches Selbstverständnis, seinen Journalismus und seine Sicht auf die deutsche Medienlandschaft.
Reaktionär statt konservativ
Fleischhauer, aufgewachsen in einem, wie er sagt, „gläubigen sozialdemokratischen“ Elternhaus, bekennt sich heute klar zu einer Position rechts der Mitte – vermeidet aber das Wort konservativ. Nach dem Unterschied zwischen den Lagern gefragt, verweist er auf ein gemeinsames Muster von linkem und rechtem Rand:
Also die einen fürchten sich halt davor, dass morgen der Klimatod uns alle Dahinmacht und bei den Rechten so, dass der messerschwingende Migrant jetzt uns das Messer in den Rücken stößt.
Solche Untergangsfantasien lehnt er ab. Den Begriff konservativ findet er sperrig – er sucht nach einer zugespitzten Selbstbeschreibung:
Ich würde mal heute sagen, ich bin reaktionär, das ist viel besser.
Wo liegt das Rebellische?
Anlass des Gesprächs ist ein Tweet, in dem Fleischhauer die Rebellen bei der Jungen Union verortet und den „braven Teil“ bei Jusos und Grüner Jugend. Diese Zuordnung erläutert er mit Blick auf den Jugendprotest der Klimabewegung. Als das eigentlich Rebellische heute sieht er jedoch etwas anderes:
Also das eigentlich Rebellische ist ja heute finde ich sich überhaupt zur Freiheit zu bekennen.
Die Sterilität der Linken, so Fleischhauer, habe sich noch verstärkt – „mit so einem bestimmten gouvernanten Ton“, bei dem darauf geachtet werde, ob jemand aus der Reihe tanze oder ein Wort benutze, das man nicht mehr benutzen dürfe.
Boshafter Journalismus und die Medienwelt
Die Hosts konfrontieren Fleischhauer mit dem Vorwurf, seinen Journalismus als boshaft zu betreiben. Er verteidigt die Form der Auseinandersetzung und nennt zwei Grundsätze – etwa keine Witze über Menschen mit geringem Einkommen und keine Kolumnen über bereits von allen Kritisierte. Seine Lust an der Zuspitzung stellt er dabei offen dar:
Ich schreibe nicht schlecht über Leute, über die alle schon sozusagen den Stab gebrochen haben.
Ausführlich spricht er über die aus seiner Sicht linke Dominanz in Medien und Kultur und verweist auf Umfragen, wonach ein großer Teil der Journalisten rot-grün wähle. Am Fall der beim NDR abgesetzten Redakteurin Julia Ruß macht er seine Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk fest. Zugleich räumt er ein, selbst Kind dieses Systems zu sein – sein Vater arbeitete beim NDR. Debatten über eine eigene Show liefen sowohl mit Nius als auch mit dem ZDF; bei Nius habe er wegen Julian Reichelts Rolle abgesagt, mit den Leuten beim ZDF sei die Zusammenarbeit „sehr erfreulich“ gewesen.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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