Folge #91 · Zu Gast: Vince Ebert

Vince Ebert im Podcast „based.“: „Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“

Der Physiker und Kabarettist Vince Ebert diagnostiziert in Folge 91 einen Rückfall in „voraufklärerische Zeiten“ – und erklärt, warum ihn eine Bundestagsabstimmung zum Umdenken brachte.

8. September 2025 · based. Podcast
Vince Ebert im Podcast „based.“: „Warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“

In der 91. Episode des Politik-Podcasts „based.“ ist Vince Ebert zu Gast – Comedian, Kabarettist und Buchautor. Anlass ist sein neues Buch, das laut Redaktion zeitweise Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste erreichte. Der Untertitel lautet „warum unsere Gefühle den Verstand verloren haben“. Ebert beschreibt darin eine Gesellschaft, die aus seiner Sicht zunehmend Befindlichkeiten über Fakten stelle.

Die These vom Rückfall in „voraufklärerische Zeiten“

Kern von Eberts Diagnose ist die Beobachtung, dass Emotionen und Gruppendenken das evidenzbasierte Argumentieren verdrängten. Er spricht von einem Rückfall in vormoderne Denkmuster.

„Meine These ist, dass wir in den letzten Jahren immer mehr das Gefühl, die Befindlichkeiten anstelle von Fakten, von evidenzbasierten Denken, von Rationalität gesetzt haben oder gestellt haben.“

Diese Entwicklung sieht Ebert nicht auf Deutschland beschränkt, sondern in „allen westlichen Kulturen“. Als Beispiele nennt er Debatten um Energie, Migration und Bürokratie.

Eine Abstimmung als Auslöser

Als Wendepunkt schildert Ebert Rückmeldungen von Politikern zu seinem vorherigen Buch über Energiepolitik. Im Vier-Augen-Gespräch hätten viele ihm zugestimmt – und dann anders abgestimmt.

„Dieselben Leute, die mir unter 4 Augen gesagt haben, das ist eigentlich ein totaler Quatsch, was wir da machen, haben dann in der Abstimmung für das Gebäudeenergiegesetz für den Atomausstieg gestimmt, also praktisch gegen ihr Gewissen.“

Diese Erfahrung habe ihn ins Grübeln gebracht, ob die Mechanismen des politischen Betriebs noch funktionierten. Sein neues Buch sei daraus als Weckruf entstanden – „das deutlich nachdenklicher ist, das deutlich deprimierender geschrieben ist“.

Freund-Feind-Denken und die Rolle der Wissenschaft

Ebert kritisiert, dass Menschen in Debatten reflexartig einsortiert würden. Ein Halbsatz genüge, um jemanden „bei den Guten oder bei den Schlechten“ zu verorten. Statt Inhalte zu diskutieren, werde oft die Quelle angegriffen. Zugleich betont er, sein Buch sei nicht bloß Meinung, sondern mit „250 Quellenangaben“ untermauert.

Als Physiker wendet er sich gegen postmoderne Ansätze, die aus seiner Sicht auf unwiderlegbaren Behauptungen beruhten. Auch die Universitäten sieht er kritisch, weil dort politischer Aktivismus betrieben werde. Zum Abschluss aber schlägt Ebert versöhnlichere Töne an und plädiert dafür, Menschen an ihrem Handeln zu messen statt an einzelnen Äußerungen.

„Ich glaube, wir müssen wieder lernen, den Menschen nach dem zu bewerten, was sie tun, und nicht, was sie auf Facebook mal in einem Halbsatz Hinrotzen.“

Kulturkampf, so Ebert, sei nicht per se negativ – erst wenn man einander gegenseitig für irre erkläre, werde er destruktiv. Die meisten Menschen hält er weiterhin für „relativ vernünftig“, nur zu leise.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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