Folge #89 · Zu Gast: Axel Reitz

„Der Hitler von Köln“: Wie Axel Reitz heute auf die AfD blickt

Der Aussteiger und heutige Extremismus-Präventionsarbeiter spricht in Folge #89 von „based.“ über seine Radikalisierung, den Bruch mit der Szene und die Gefahr, die er in der AfD sieht.

18. August 2025 · based. Podcast
„Der Hitler von Köln“: Wie Axel Reitz heute auf die AfD blickt

Axel Reitz war bis in die 2000er-Jahre als „Hitler von Köln“ einer der bekanntesten Neonazis im Rheinland. In der 89. Episode des Podcasts „based.“ spricht er über seinen Weg in den Rechtsextremismus, über seinen Ausstieg – und darüber, wie er als ehemaliger Aktivist die heutige AfD einordnet. Über seine damalige Rolle sagt er selbst ohne Beschönigung:

Ich bin also ein Schrittmacher dieser Szene gewesen, kein einfacher Mitläufer. Und ja, so habe ich mir dann auch. Leider verdienterweise muss ich sagen, diesen unrühmlichen Spitznamen, der Hitler von Köln verdient.

Kritik an der AfD – und an ihren „Lösungsvorschlägen“

Reitz hält die AfD nach eigener Aussage für eine große Bedrohung für die Demokratie. Dabei unterscheidet er ausdrücklich zwischen dem Ansprechen von Problemen und den Antworten, die die Partei darauf gebe. Nicht die Benennung vorhandener Schwierigkeiten sei das Kernproblem, sondern die Schlussfolgerungen daraus:

Die Lösungsvorschläge der AF D sind das Gift, das es zu bekämpfen gilt, nicht die Artikulation von vorhandenen Problemen.

Zugleich beschreibt er einen internen Radikalisierungsprozess der Partei und zitiert den Extremismusforscher, dem zufolge aus einer rechtsdemokratischen Partei mit rechtsextremer Minderheit eine rechtsextreme Partei mit rechtsdemokratischer Minderheit geworden sei.

Gegen Rechtsextremismus – aber nicht gegen „rechts“

Deutlich grenzt sich Reitz davon ab, jede rechte Position pauschal als nationalsozialistisch zu bezeichnen. Er warnt vor einer sprachlichen Vermischung, die aus seiner Sicht sowohl den Begriff entwerte als auch politisch in die Irre führe.

Ich bin auch nicht gegen rechts, ich bin gegen Rechtsextremismus.

Eine pauschale Gleichsetzung hält er für riskant, weil damit unterschiedliche Phänomene auf eine Stufe gestellt würden:

In Deutschland neigen wir leider dazu, dass alles, was irgendwie rechts steht, mittlerweile als Nazi geframed wird.

Für die Auseinandersetzung mit Schülern bringt er es auf eine Formel: Jeder Nazi sei Rechtsextremist, aber nicht jeder Rechtsextremist ein Nazi – und die wenigsten Rechtsextremisten seien Nazis.

Radikalisierung als Gefühlsfrage

Im Gespräch schildert Reitz auch, wie seine eigene Radikalisierung begann – nicht mit Ideologie, sondern mit einem Erlebnis in der Schule und dem Bedürfnis, ernst genommen zu werden. Nach einem Streit mit einer Lehrerin über rechte Parteiprogramme sei er von der NPD mit „Love bombing“ empfangen worden. Zweifel hätten in der Szene keinen Platz gehabt: „Zweifel ist Verrat“, sagt er über das Denken eines Extremisten. Sein Ausstieg 2012 sei zunächst aus persönlicher Enttäuschung geschehen, verbunden mit einer Depression und einem Burnout – nicht, weil er damals seine Ideologie bereits hinterfragt habe. Heute versteht er sich nicht als vom einen Extrem ins andere Gewechselter, sondern als „Mensch der Mitte“, als Liberaler und Verantwortungsethiker. Sein Appell: Demokratische Werte müssten vermittelt und Menschen, die verloren gegangen seien, wieder zurückgeholt werden – statt sie pauschal abzustempeln.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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