Wolfgang Herles über den Journalismus: „Ich bin gegen alle“
Der frühere ZDF-Studioleiter spricht im Podcast „based.“ über Skepsis als Berufshaltung, Konformismus in den Medien und seine Sicht auf die Wiedervereinigung.
In Folge 84 des Podcasts „based.“ ist der langjährige ZDF-Journalist Wolfgang Herles zu Gast. Anlass ist sein Buch „Gemütlich war es nie. Die Erinnerungen eines Skeptikers“. Im Gespräch mit den Hosts Dominik und Benny geht es um seine Rolle als früherer Bonner Studioleiter, um Konformismus in den Medien und um seinen Blick auf die deutsche Debattenkultur.
Skepsis als Grundhaltung
Herles versteht sich selbst als Skeptiker und beschreibt, dass es ihm nicht um eine politische Richtung, sondern um kritische Distanz zu jeder Regierung gehe. Er grenzt sich dabei von Kolleginnen und Kollegen ab, die er für einseitig hält.
Aber mehr als die Hälfte aller Journalisten, man weiß es, es gibt Umfragen, wählen Rot, rot oder Grün, das heißt, die sind nur einseitig dagegen, das ist mir zu wenig, ich bin gegen alle.
Seine Ablehnung richte sich gegen alle Lager. Er erinnert an seinen Konflikt mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der laut Herles zu seinem Aus als Studioleiter in Bonn führte, äußert aber auch scharfe Kritik an heutigen Politikern.
Medien und Spaltung
Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle der Medien in der Demokratie. Herles beklagt, dass unterschiedliche Meinungen heute nicht mehr als solche akzeptiert, sondern moralisch abgeurteilt würden. Für ihn verändert das die Funktion der Medien grundlegend.
Die Medien haben in einer Demokratie eine ganz wichtige Rolle. Sie sind einfach die Bühne, auf denen Meinungsbildung stattfindet.
Wenn Meinungen einander nur noch feindlich gegenüberstünden, so Herles, sei es „keine Meinungsbildung mehr, sondern dann ist es eine Spaltung“. Diese Kritik richtet er ausdrücklich auch an sogenannte alternative Medien, bei denen er eine ähnliche Einseitigkeit beobachtet. So schildert er, dass er selbst als Kolumnist beim Portal Tichy für kritische Leserreaktionen sorge.
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und Wiedervereinigung
Herles blickt zurück auf seine ZDF-Zeit und die satirischen Elemente seiner Sendung Bonn direkt. Zugleich verteidigt er den öffentlich-rechtlichen Rundfunk grundsätzlich gegen Abschaffungsforderungen, plädiert aber für eine Fokussierung auf den Programmauftrag: „Man braucht weder das Traumschiff, noch braucht man die Fußball Bundesliga.“
Ausführlich kommt auch die Wiedervereinigung zur Sprache, der er sich damals kritisch näherte. Seine These reicht dabei über die DDR hinaus: Es sei nicht nur ein Staat verschwunden, sondern auch die alte Bundesrepublik. „Es ist nicht ein Staat kaputt gegangen, sondern es 2 Staaten sind kaputt gegangen“, sagt er und beschreibt die heutige „Berliner Republik“ als grundlegend andere Ordnung als die einstige „Bonner Republik“.
Zum Abschluss spricht Herles über sein Staatsverständnis, über Föderalismus als Machtteilung und über die Bereiche, in denen er den Staat für zuständig hält – etwa Sicherheit und Bildung. Das Buch, so das Fazit der Hosts, biete viele Erinnerungen an eine Zeit, die sie selbst nicht miterlebt haben.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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