Thilo Sarrazin im „based.“-Podcast: „Deutschland als Volk ist dabei, sich abzuschaffen“
15 Jahre nach seinem Bestseller zieht der ehemalige Berliner Finanzsenator eine Bilanz – und spricht über Geburtenraten, Migration, Medien und die AfD.
In der 83. Episode des Podcasts „based.“ war Thilo Sarrazin zu Gast, ehemaliger Berliner Finanzsenator und früheres Bundesbank-Vorstandsmitglied, der vor allem durch sein 2010 erschienenes Buch Deutschland schafft sich ab bundesweit bekannt wurde. Im Gespräch zog er eine Bilanz seiner Thesen, ordnete seine Neuausgabe von 2021 ein und äußerte sich zu Migration, Islam, dem Verhältnis zu den Medien und zum Aufstieg der AfD.
Bilanz nach 15 Jahren
Sarrazin verteidigte seine früheren Prognosen und verwies auf die Geburtenentwicklung. Deutschland habe 1965 rund 1,4 Millionen Geburten gehabt, im Jahr 2023 seien es 682.000 gewesen. Daraus leitet er seine zentrale These ab:
Und insofern ist es einfach eine Tatsache, dass also Deutschland als Volk dabei ist, sich abzuschaffen.
Rückblickend sagt er, er habe sich in einigen Punkten geirrt – aber stets zu seinen eigenen Ungunsten: „Also leider habe ich über die Maßen und auch von mir selbst unerwünscht recht behalten.“ Scharfe Formulierungen weist er zurück und betont, er schildere Tatsachen und leite daraus Schlussfolgerungen ab.
Migration und Multikulti
Auf die Frage nach kultureller Vielfalt grenzte sich Sarrazin klar ab. Er habe lediglich eine Präferenz geäußert, wer anders denke, könne entsprechend leben.
Es gibt aber eben Menschen, die also der Diversität und sogenannte kulturelle Vielfalt für einen für einen Wert an sich halten, dazu gehöre ich nicht.
Wirtschaftlich argumentiert er über statistische Gruppen. Einwanderer seien dann von Nutzen, wenn ihr Bildungs- und Beschäftigungsniveau überdurchschnittlich sei. Andernfalls gelte:
Sobald Einwanderer als Gruppe eine deutlich überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit haben, deutlich deutlich schlechter ausgebildet sind und eine deutlich höhere Transferabhängigkeit haben, sind sie als Gruppe eine finanzielle und wirtschaftliche Belastung.
Zugleich betonte er, er wolle nicht von „den Muslimen“ sprechen, da Kategorien immer nur Hilfskonstruktionen seien. Einen liberalen Islam, wie ihn etwa Seyran Ateş vertrete, könne man nur hoffen – dieser sei jedoch unter den Muslimen in Deutschland „in einer hoffnungslosen Minderheit“.
Medien, Merkel und die AfD
Ausführlich schilderte Sarrazin die Reaktionen auf sein Buch. Angela Merkel habe über Regierungssprecher Steffen Seibert erklären lassen, das Buch sei nicht hilfreich – „als sie das Buch noch gar nicht gelesen hatte“. Den Medien wirft er Oberflächlichkeit vor, nicht bösen Willen: „Sie tun das aus der Gedankenlosigkeit.“ Zugleich fühle er sich in seiner Position privilegiert und unabhängig von öffentlicher Meinung.
Zum Aufstieg der AfD sagte er, die etablierten Parteien hätten seine Themen nicht aufgegriffen. Zieht man einen historischen Vergleich zur SPD im Kaiserreich, hält er eine Ausgrenzungsstrategie für aussichtslos – auch mit Blick auf die Gegenwart.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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