„Nicht vegan sein ist nicht okay“: Raffaela Raab über militanten Aktivismus
Die als „militante Veganerin“ bekannte Aktivistin erklärt im based.-Podcast ihren Spezialismus-Begriff – und warum sie das Wort „Holocaust“ verwendet.
Sie trägt ihr Signature-Shirt mit der Aufschrift „nicht vegan sein ist nicht okay“ und lässt schon in den ersten Minuten keinen Zweifel an ihrer Haltung: Raffaela Raab, im Netz bekannt als die „militante Veganerin“, war zu Gast im based.-Podcast. Im Gespräch mit den Hosts Dominik und Benny geht es um ihren Aktivismus, um Sprache – und um die schärfsten Vorwürfe gegen sie.
Veganismus als „moralische Lebensweise“
Zunächst korrigiert Raab die Einleitung: Veganismus sei mehr als Ernährung. Zentral sei für sie der Begriff des Spezialismus, den sie in Analogie zum Rassismus versteht – eine Diskriminierung von Individuen aufgrund ihrer Artzugehörigkeit. Menschen und Tiere seien zwar nicht gleich, aber gleichberechtigt in Bezug auf ein Grundrecht: nicht als Ware behandelt zu werden. Kompromisse lehnt sie ab.
Bei der Ausbeutung von Tieren gibt es Abstufungen von Scheiße. Aber Scheiße bleibt Scheiße.
Warum sie das Wort „Holocaust“ benutzt
Ein wiederkehrender Vorwurf lautet, Raab verharmlose mit ihrer Wortwahl den Holocaust. Sie widerspricht und erklärt, ihr sei Sprache wichtig, um „adäquat für die Opfer zu sprechen“. Erstmals in einer Show, so sagt sie, benenne sie dies so deutlich.
Und nachdem ich keinen ethisch signifikanten Unterschied zwischen Menschen und anderen nichtmenschlichen Tieren, denen wir das tagtäglich antun, also ich nicht ihr, wahrscheinlich schon erkennen kann, würde ich sagen, dass das Wort Holocaust das tatsächlich adäquateste Wort ist.
Sie verweist darauf, dass sie wegen des Vorwurfs bereits dreimal angezeigt worden sei, aber nicht verurteilt wurde. Rechtlich, betont sie, tue sie „genau das Gegenteil“ von dem, was ihr unterstellt werde.
„Militant“ und die politischen Vorwürfe
Den Namen „militante Veganerin“ habe sie als Fremdzuschreibung übernommen und ironisch gewendet: Ihre „Waffen“ seien Worte, Empathie und logische Argumente. Auch dem Vorwurf, sie stehe rechtsextremen Kreisen nahe, tritt sie entgegen. Sie spreche bewusst mit Menschen unterschiedlicher Gesinnung und lehne die „Kontaktschuldkeule“ ab. Zu ihrer eigenen Wahlentscheidung äußert sie sich im Podcast erstmals:
Ich habe die kommunistische Parteien ist. Ach, tatsächlich tatsächlich. Aber ich bin ein Nazi. Ja, es ist wirklich, wirklich herrlich.
Raab schildert zudem, dass sie regelmäßig körperliche Übergriffe erlebe – etwa bei einer Demonstration vor einem Zirkus, bei der ein Mitstreiter zu Boden gegangen und getreten worden sei. Als psychisch schwersten Einschnitt nennt sie den Kontaktabbruch mit ihrer Mutter, den sie selbst vollzogen habe. Über ihre Finanzierung über OnlyFans spricht sie offen; sie diene dazu, sich „nicht verstellen“ zu müssen und den Aktivismus zu finanzieren. Ärztin sei sie gewesen, doch die Krankenhausarbeit habe sie als „Bürokratiejob“ empfunden, den sie nicht vermisse.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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