„Es ist ein Verbrechen, anderen diesen Glauben aufzudrücken“ – Aktivistin Sahar Sanaie über den Widerstand im Iran
Die Aktivistin des Nationalen Widerstandsrates Iran spricht im based.-Podcast über Hinrichtungen, ihre eigene Familiengeschichte und die Forderungen der iranischen Opposition.
In der 76. Folge des Podcasts „based.“ ist erstmals eine Aktivistin zu Gast: Sahar Sanaie, die sich im Rahmen des Nationalen Widerstandsrates Iran gegen das herrschende Regime einsetzt. Sanaie wurde als Kind aus dem Iran nach Deutschland gebracht, nachdem ihr Vater und weitere Familienmitglieder im Freiheitskampf getötet worden waren. Im Gespräch schildert sie die aktuelle Lage, ihre persönliche Geschichte und die politischen Ziele der Opposition.
Eine Geschichte der Gewalt und des Widerstands
Sanaie beschreibt einen Konflikt, der aus ihrer Sicht seit der Errichtung der Diktatur andauert. Als Betroffene erzählt sie von der Verfolgung, die auch ihre Familie traf.
Mein Vater wurde dann getötet, als ich 2 Jahre alt war.
Besonders eindrücklich schildert sie die Repression der frühen 1980er Jahre nach einem Protest im Juni 1981, an dem laut ihrer Darstellung allein in Teheran 500.000 Menschen teilnahmen.
In derselben Nacht wurden viele junge Mädchen Minderjährige hingerichtet, ohne dass man ihren Namen wusste und am nächsten Tag wurden ihre Bilder im Fernsehen und in Zeitungen veröffentlicht und man hat Familienmitglieder angehalten, die Leichname abzuholen.
Ideologie, Vorwürfe und Diffamierung
Sanaie ordnet die Ideologie des Regimes dem islamischen Fundamentalismus zu und benennt die Frauen als dessen Hauptzielgruppe. Auf die Kritik angesprochen, dass Organisationen wie die Volksmudschahedin in der Vergangenheit als Terrororganisation eingestuft wurden, verweist sie auf Gerichtsurteile, die zur Streichung von den Listen führten. Sie äußert zudem den Verdacht, dass westliche Behörden von Regime-Narrativen beeinflusst würden. Auf die direkte Nachfrage, ob dies auch für den Verfassungsschutz und die amerikanische Regierung gelte, antwortet sie deutlich.
Regime ja, und ich kann das auch ganz klar benennen. Es gibt geleakte Informationen.
Forderungen und Perspektive
Sanaie betont, der Widerstand strebe keine militärische oder finanzielle Unterstützung an, sondern die Anerkennung seiner Legitimität. Sie fordert unter anderem die Listung der Revolutionsgarden als Terrororganisation und die Aktivierung des sogenannten Snapback-Mechanismus der UN. Zur Trennung von Staat und Religion, die im Zehn-Punkte-Plan der Widerstands-Vorsitzenden Maryam Rajavi verankert sei, formuliert sie eine grundsätzliche Haltung.
Es geht nicht um einen religiösen Glauben, es geht darum, es ist kein Verbrechen, einen Glauben zu haben, aber es ist ein Verbrechen, anderen diesen Glauben aufzudrücken.
Trotz der massiven Repression und der hohen Hinrichtungsrate zeigt sich Sanaie zuversichtlich, dass das Regime an seinem schwächsten Punkt stehe. Auf die Frage, ob sie sich eine Rückkehr in einen freien Iran vorstellen könne, bleibt sie zwischen ihren beiden Heimatländern hin- und hergerissen – wünscht sich aber vor allem ein Ende der Hinrichtungen und ein selbstbestimmtes Leben für Frauen im Land.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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