Broder und Mohr über Merz, Medien und die Religion des Verzichts
Im zweiten Teil der based.-Folge diskutieren Henryk M. Broder und Reinhard Mohr über den Start der Merz-Regierung, den Wandel der Medienlandschaft und ihre These, der Klimadiskurs trage Züge einer Religion.
Im zweiten Teil der Folge #74 sprechen die Autoren Henryk M. Broder und Reinhard Mohr über die neue Bundesregierung, das milliardenschwere Schuldenpaket und den Zustand der deutschen Medien. Die Debatte kreist immer wieder um eine Frage: Ob mit Friedrich Merz „jetzt alles besser“ werde.
Schulden, Glaubwürdigkeit und die Hoffnung auf Wachstum
Beim Blick auf das Sondervermögen und die Aufweichung der Schuldenbremse steht für die Gäste die Verwendung der Mittel im Zentrum. Entscheidend sei, dass Investitionen tatsächlich Wachstum erzeugten statt nach dem Gießkannenprinzip zu versickern.
Wieder Wachstum generieren, das ist das Entscheidende, dass wir nicht irgendwas reingießen irgendwo in der Gießkanne, sondern dass wir damit Wachstum initiieren. Und dann hätte es ne Chance, dass was wird.
Zugleich sehen die Gäste einen Vertrauensverlust beim neuen Kanzler, der im Wahlkampf an der Schuldenbremse festhalten wollte:
Selbstverständlich hat der Merz sich jetzt sozusagen ein Parforceritt hingelegt, weil klar war, diese beiden Sachen kann man mit dem neuen Bundestag so wegen der AFD und der Linkspartei nicht durchsetzen, also er startet ganz sicherlich mit einem Malus, was die Glaubwürdigkeit betrifft.
Klimadiskurs als „religiöser Akt“
Ein zweiter Schwerpunkt ist der Umgang mit Ökologie und Verzicht. Broder deutet den Streit um Ernährung, Konsum und CO2 als quasi-religiöses Phänomen mit Predigern, Mitläufern und Häretikern. Auch das Wort „Klimaleugner“ nehmen die Gesprächspartner unter die Lupe – es sei ein Begriff, der auf den Glauben verweise, während Skepsis erlaubt bleiben müsse.
Ja, es ist ein religiöser Akt, und Leute, die Grünen leben, die wirklich auf vieles verzichten, die sind Intoleranter, und die sind auch Uneinsichtiger als viele religiöse Christen oder oder religiöse Juden.
Diese Beobachtung ordnet die Gesprächsrunde in eine breitere Kritik an vermeintlichen Gewissheiten ein, bei der auf „wissenschaftlich erwiesen“ als Autoritätsargument verwiesen werde.
Medienwandel und deutsche „Naivität“
Beim Thema Medien konstatieren die Gäste einen technischen Wandel – Videos, Podcasts und vorlesbare Texte bei Welt, Spiegel, FAZ und Süddeutscher –, halten den politischen Einfluss dieser Häuser aber für begrenzt. Neue Kanäle wie YouTube seien inzwischen entscheidend, um überhaupt Aufmerksamkeit für Themen und Bücher zu erzeugen.
Zum Schluss verdichtet Broder seine Kritik am Umgang der Bürger mit staatlichen Wohltaten – vom günstigen Nahverkehrsticket bis zum Vertrauen darauf, mit Geld ließen sich alle Probleme lösen – in einem pointierten Bild.
Also irgendwie sind die Deutschen von einer wirklich liebenswürdigen Naivität, und das ist die Gefahr, ja.
Für die Redaktion war das zugleich das Schlusswort der Folge. In der kommenden Woche kündigen die Hosts ein Gespräch mit Daniel Gräber vom Cicero über die sogenannten AKW-Files an.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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