„Wir sind im Krieg, obwohl wir das nicht wollen“ – Sergej Sumlenny über Trump, die Ukraine und Europa
Im „based.“-Podcast analysiert der Politikwissenschaftler den Eklat im Weißen Haus, die Frage nach Wahlen in der Ukraine und die Verantwortung Europas.
In der 71. Folge des Podcasts „based.“ ist der promovierte Politikwissenschaftler und ERIC-Gründer Sergej Sumlenny zu Gast. Im Gespräch mit den Hosts ordnet er den Eklat zwischen Wolodymyr Selenskyj, Donald Trump und JD Vance im Weißen Haus ein, spricht über die Debatte um Wahlen in der Ukraine und über die Frage, welche Konsequenzen Europa aus der veränderten Rolle der USA ziehen muss.
Der Eklat im Weißen Haus
Sumlenny bewertet den öffentlichen Streit während des Besuchs Selenskyjs nicht als spontanen Ausrutscher, sondern als geplant. Er verweist darauf, dass Verhandlungen üblicherweise nicht vor laufenden Kameras geführt würden, und beschreibt das Vorgehen als abgestimmten Angriff auf den ukrainischen Präsidenten:
Also das war ein kollektiver Angriff aus Selensky von mir aus. Sehr skrupellos geplant und durchgeführt und man führt nie Verhandlungen in Anwesenheit der Presse.
Auch Trumps Bezeichnung Selenskyjs als „Diktator“ und die Forderung nach Wahlen weist Sumlenny zurück. Er verweist darauf, dass sowohl das deutsche Grundgesetz als auch die ukrainische Verfassung im Kriegsfall keine Wahlen vorsehen, und beschreibt die Debatte als von Moskau lanciert.
Was heißt „Frieden“?
Zentral ist für Sumlenny die Frage, was unter Frieden verstanden wird. Er warnt davor, die Abwesenheit von Kampfhandlungen mit Frieden gleichzusetzen, und ordnet die kursierenden „Friedenspläne“ als einseitige Forderungen an die Ukraine ein. Für ihn läuft das auf eine Kapitulation hinaus:
Also wir müssen diesen Deal beim Namen nennen, was angeboten wird, es geht um eine Unterzeichnung von bedingungslose Kapitulation und es ist ein Verlangen nach bedingungslose Kapitulation.
Eine Unterzeichnung würde nach seiner Einschätzung die Lage der Ukraine verschlechtern, weil Russland keine Sicherheitsgarantien biete, keinen Truppenabzug verspreche und die Bevölkerung in besetzten Gebieten weiter unter Druck stehe.
Europas Verantwortung
Auf die Rolle der USA blickt Sumlenny kritisch. Zwar sei die freie Welt in Westeuropa ohne die USA nicht möglich gewesen, doch der Rückzug habe bereits vor Trump begonnen. Für Europa sieht er nun die Notwendigkeit, selbst handlungsfähig zu werden – notfalls in kleineren Bündnissen. Vor allem aber müsse ein Bewusstsein für die Lage entstehen:
Wir sind im Krieg, obwohl wir das nicht wollen, und man muss wissen, wie man in einer Konfliktsituation was macht, wenn die andere Seite dich töten will.
Sumlenny plädiert für konkrete militärische Kooperationen statt langfristiger Visionen einer gemeinsamen Armee: „Eine deutsch polnische militärische Kooperation Deutsch, polnisch Baltische ist besser als als diese traumarmee Europa.“ Menschen und Nationen seien lernfähig, so sein Fazit – die Lehre werde jedoch oft mit hohem Preis bezahlt.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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