Folge #70 · Zu Gast: Alexander Teske

Ex-Redakteur Alexander Teske über die Tagesschau: „Nicht immer so wichtig, was die Tagesschau zeigt, sondern was sie nicht zeigt“

In Folge #70 von „based.“ spricht der frühere Tagesschau-Planer Alexander Teske über sein Buch „Inside Tagesschau“, die Macht der Chefs vom Dienst und den Vorwurf der Meinungsmache.

2. März 2025 · based. Podcast
Ex-Redakteur Alexander Teske über die Tagesschau: „Nicht immer so wichtig, was die Tagesschau zeigt, sondern was sie nicht zeigt“

Sechs Jahre hat Alexander Teske in der Planung der Tagesschau gearbeitet, insgesamt war er 30 Jahre Journalist. In der 70. Folge des Podcasts „based.“ erklärt er, wie in der wichtigsten Nachrichtensendung des Landes Themen ausgewählt werden – und warum er dabei ein strukturelles Problem sieht. Sein Buch trägt den Titel „Inside Tagesschau – zwischen Nachrichten und Meinungsmache“. Den Titel, betont Teske, habe der Verlag vorgeschlagen: „Der Titel ist nicht von mir, ja, muss also ich darf mich nicht mit fremden Federn schmücken.“

Die Macht der Chefs vom Dienst

Zentral in Teskes Schilderung ist eine kleine Gruppe von Entscheidern, die er als weitgehend unbekannt beschreibt. Rund zehn Menschen bestimmten den Großteil der Inhalte – von den Themen über die Schlagzeilen bis zu den Interviewpartnern. Während die Planung eine Vorauswahl treffe, entscheide am Ende der Chef vom Dienst.

„Und ja, das ist so n Kreis von 10 von 10 Menschen ungefähr die sag mal 90% der Inhalte bestimmen“

Diese Entscheider seien unabhängig und mächtig, so Teske – teils gegen die eigene Chefredaktion. Als Beispiel nennt er einen von Kai Gnifke gewünschten Beitrag zum Welthungerbericht, den der Chef vom Dienst zugunsten einer Unwetter-Meldung ablehnte.

Nachrichten oder Meinungsmache?

Teske sieht bei vielen Kolleginnen und Kollegen ein Journalismus-Verständnis, das er von neutraler Berichterstattung unterscheidet. Nicht was gesendet werde, sei entscheidend, sondern auch das Weggelassene.

„es ist ja gar nicht immer so wichtig, was die Tagesschau zeigt oder wie, sondern was sie nicht zeigt“

Auf die politische Neigung der Redaktion angesprochen, formuliert Teske eine Einschätzung, die er ausdrücklich als eigene Beobachtung kennzeichnet. Bei den Redakteurinnen und Redakteuren würden Wahlen anders ausgehen als in der Gesamtbevölkerung; die meisten neigten eher Grünen, SPD oder Linken zu. Auch beim „Faktenfinder“ und bei der Ost-Berichterstattung sieht er Versäumnisse.

Vorwurf der Illoyalität

Nach Erscheinen des Buches sah sich Teske Kritik ausgesetzt, unter anderem dem Vorwurf mangelnder journalistischer Standards und Illoyalität. Er räumt eine gewisse Illoyalität ein, verweist aber auf ein öffentliches Interesse.

„Natürlich klar ist er das in dem natürlich ist das ein Stück weit illoyal, dann hinterher darüber zu berichten.“

Trotz seiner Kritik plädiert Teske nicht für eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern für eine Reform. Er verweist auf dessen „Lagerfeuerfunktion“ – eine gemeinsame Gesprächsgrundlage für die Gesellschaft. Zugleich zeigt er sich zunehmend skeptisch, ob die Anstalten die Kraft zur Selbstreform aufbringen. Die vollständigen Anekdoten aus seinen sechs Jahren in Hamburg finden sich in seinem Buch.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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