Folge #68 · Zu Gast: Holger Zschäpitz

Holger Zschäpitz über Deutschlands Wirtschaft: „Die Lage ist schlechter als die Stimmung“

In Folge #68 von „based.“ diskutiert Welt-Wirtschaftsredakteur Holger Zschäpitz über Deindustrialisierung, Rente, Schuldenbremse und den besten Weg zum Klimaschutz.

18. Februar 2025 · based. Podcast
Holger Zschäpitz über Deutschlands Wirtschaft: „Die Lage ist schlechter als die Stimmung“

In der 68. Folge des Podcasts „based.“ ist Holger Zschäpitz zu Gast, leitender Wirtschaftsredakteur bei der Welt. Im Gespräch mit den Moderatoren geht es um den Zustand der deutschen Wirtschaft, die Verantwortung der Politik und die Frage, was nach der Bundestagswahl passieren müsste. Zschäpitz argumentiert dabei durchgehend datenbasiert und ordnet die aktuelle Debatte kritisch ein.

Deindustrialisierung und wirtschaftliche Lage

Auf die Aussage von Kanzler Olaf Scholz, es gebe keine Deindustrialisierung, reagiert Zschäpitz differenziert: Es komme darauf an, wie man die Daten betrachte. Blickt man auf die Entwicklung der Industrieproduktion, sei die Sache jedoch eindeutig. Anders als der Kanzler sieht er die Stimmung nicht als das eigentliche Problem.

„nee also ich seh das Land hat noch ne bessere Stimmung als eigentlich die Lage ist.“

Besonders im Chemiebereich sei die Entwicklung düster, während der Pharmasektor noch besser dastehe. Zschäpitz verweist zudem darauf, dass Deutschland mehrere Jahre ohne nennenswertes Wachstum hinter sich habe und beim Pro-Kopf-Einkommen sogar ein Minus verzeichne.

Verantwortung der Politik und die guten Jahre

Die Ursachen sieht der Wirtschaftsredakteur auch in einer verpassten Reformperiode. In den zehn Jahren vor Corona habe der Staat hohe Einnahmen einfach konsumiert, statt zu investieren. Die Regierung habe die Lage nach seiner Einschätzung nicht verursacht, aber verschärft.

„Wir haben die guten Jahre, haben wir einfach zu gut gelebt und haben uns so n bisschen schaukelig, so och geht immer gut, kann auch nicht schlechter werden und haben dabei vergessen uns zu reformieren“

Kritik übt er an einer Wirtschaftspolitik, die auf immer neue Regulierung setze, statt fehlerhafte Regeln zurückzunehmen. Auch die Rente hält er in ihrer jetzigen Form für nicht tragbar – das Umlageverfahren brauche rund zwei Prozent Wachstum, das absehbare Potenzialwachstum liege aber deutlich darunter.

Klimaschutz über den Preis

Beim Klimaschutz plädiert Zschäpitz klar für den Emissionshandel als zentralen Mechanismus und kritisiert das politische Micromanagement einzelner Vorgaben. Wer CO2 ausstoße, solle dafür zahlen – den Rest regle der Markt.

„ich geb n Preis drauf und am Ende. Löst sich das Problem von alleine, weil die Leute mit dem Portemonnaie viel cleverer“

Wichtig sei allerdings, dass die Politik nicht bei steigenden Preisen zurückweiche und dass die Einnahmen als Klimageld an die Menschen zurückflössen. Zusätzlich müsse man auf soziale Härten achten. Zur Bundestagswahl bekennt sich Zschäpitz zur FDP, betont aber, er habe schon fast alle Parteien gewählt und wähle diesmal wegen des Wirtschaftsprogramms – wohl wissend, dass Programme von den handelnden Personen abhängen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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