Folge #67

Seyran Ateş über den liberalen Islam: „Wir werden zu 100% nur von Muslimen bedroht“

Die Juristin und Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee spricht im „based.“-Podcast über Bedrohungen, das Versagen der Politik und einen zeitgemäßen Islam.

11. Februar 2025 · based. Podcast
Seyran Ateş über den liberalen Islam: „Wir werden zu 100% nur von Muslimen bedroht“

In der 67. Ausgabe des Podcasts „based.“ war Seyran Ateş zu Gast – Juristin, Autorin, Frauenrechtlerin und Gründerin der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin. Zum Einstieg korrigierte sie gleich mehrere Annahmen: Die Moschee sei nicht dauerhaft geschlossen worden, sondern habe nur zwei Monate pausiert. Anlass waren Anschlagspläne, von denen sie am 11. Oktober 2023 erfahren habe. Als Objekte hätten sich acht inhaftierte Männer jüdische Einrichtungen und ihre Moschee ausgesucht.

„Wir werden zu 100% nur von Muslimen bedroht“

Ateş betont, wer die Moschee bedrohe, sei eindeutig – und dass viele fälschlich von rechtsextremer Gewalt ausgingen. Diese Fehleinschätzung mache sie wütend, weil sie die Aggression innerhalb der muslimischen Community verschleiere.

Wir werden zu 100% nur von Muslimen bedroht, also es gibt wirklich keine rechtsextremistische Weißdeutsche Gruppe, die uns bedroht.

Grund für die Gründung der Moschee sei gewesen, dass Frauen und Männer in ihr gleichberechtigt nebeneinander beten und LGBT-Menschen akzeptiert werden. Genau das mache manche aggressiv. Einen liberalen Islam hält sie grundsätzlich für möglich; die Probleme führt sie auf patriarchale Strukturen und Machtinteressen reicher islamischer Länder zurück, nicht auf die „DNA des Islam“.

Vorwurf an die Politik: Zusammenarbeit mit den Verbänden

Ateş kritisiert scharf, dass die Politik – über Parteigrenzen hinweg – vorrangig mit den großen Verbänden zusammenarbeite und liberale Stimmen ausgrenze. Auf der Deutschen Islamkonferenz habe sie ihre Naivität abgelegt.

Bei der Deutschen Islamkonferenz habe ich irgendwann meine Naivität abgelegt und festgestellt, der Politik geht es um Wählerstimmen.

Die Islamkonferenz sei aus ihrer Sicht zu einer „Show-Veranstaltung“ geworden, die vor allem die Verbände gestärkt habe. Innermuslimische Konflikte, etwa die Ausgrenzung von LGBT-Personen, würden dabei ausgeblendet.

Debatte um Begriffe, Migration und die AfD

Ateş wehrt sich gegen den Vorwurf, sie „bediene rechts“ – ein Vorwurf, den sie nach eigenen Angaben seit 1983 höre. Beim Thema Ehrenmord und Zwangsverheiratung wirft sie jenen, die die Praktiken leugneten, Mittäterschaft vor. Zugleich fordert sie eine ehrliche Migrationsdebatte und klare Ansagen für Geflüchtete ab dem ersten Tag. Zum Aufstieg der AfD sagt sie, die Politik der etablierten Parteien habe sie mit groß gemacht.

Diese ich verhindere die AF D Politik führte dazu, dass die AF D immer größer wurde.

Sie fordert ein eigenes Einwanderungsministerium und bundesweit einheitliche Regeln statt eines „Flickenteppichs“. Den 55-Punkte-Plan von Friedrich Merz sieht sie mit Hoffnung, aber auch mit Skepsis – schließlich habe die CDU die Islamkonferenz 16 Jahre lang geführt. Als Schlusspunkt bleibt bei Ateş die Diagnose: Deutschland müsse sich endlich ehrlich als Einwanderungsland begreifen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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