Folge #64 · Zu Gast: Alexandra Krioukov

„Es könnte jederzeit was sein“ – Alexandra Krioukov über den jüdischen Alltag an Berlins Unis

Die Jura-Studentin und Grünen-Politikerin spricht im „based.“-Podcast über Antisemitismus an der Humboldt-Universität, den Bruch nach dem 7. Oktober und die Gratwanderung ihres jüdischen Magazins.

20. Januar 2025 · based. Podcast
„Es könnte jederzeit was sein“ – Alexandra Krioukov über den jüdischen Alltag an Berlins Unis

Wie ist die Lage für Juden an deutschen Universitäten? Darüber spricht in Folge 64 des Podcasts „based.“ die Studentin Alexandra Krioukov. Sie ist in der Jüdischen Studierendenunion aktiv, schreibt für das Magazin „Edar“, studiert Jura an der Humboldt-Universität in Berlin und engagiert sich bei den Grünen. Im Gespräch schildert sie ihre persönlichen Erfahrungen – und wie sich ihr Blick auf das eigene Leben verändert hat.

Angespannte Stimmung an den Unis

Krioukov berichtet, dass es an ihrer Fakultät weniger Vorfälle gebe als in anderen Fächern, sie ihr Studium nach dem 7. Oktober aber zeitweise pausiert habe, weil der Aktivismus zu viel wurde. Für sie und ihre Freundinnen und Freunde sei eine dauerhafte Anspannung entstanden.

„es ist halt irgendwann ne Normalität geworden, dass man halt weiß, OK, es könnte jetzt jederzeit was sein oder man könnte jetzt jemanden sehen, der irgendwas sagt“

Sie erzählt zugleich von positiven Erfahrungen an der HU – etwa mit einer Antisemitismusbeauftragten und der Präsidentin. Zugleich mahnt sie Grenzen an, wenn Veranstaltungen niedergeschrien oder Institute besetzt würden. Über die Auflösung solcher Aktionen sagt sie, das sei kein Widerspruch zur Dialogbereitschaft.

Der 7. Oktober als Bruch

Für viele bezeichne der 7. Oktober einen Bruch – doch für sie liege dieser nicht darin, dass es überhaupt Gewalt gegen Jüdinnen und Juden gebe. Entscheidend sei gewesen, dass ein zuvor abstraktes Wissen plötzlich real wurde.

„aber dann mit Freunden zu reden und zu merken, die hatten das nie, die mussten nie erklärt bekommen, wieso sie gehasst werden“

Krioukov beschreibt, dass sie sich immer wieder rechtfertigen müsse – für Israel wie für den Glauben. Sie betont, sie sei kein Sprachrohr für Israel, wolle Fehlinformationen aber nicht stehen lassen.

Das Magazin „Edar“ und die Frage der Grenzen

Mit dem halbjährlich erscheinenden Magazin „Edar“ wolle die Redaktion junges jüdisches Leben abseits von Fremdprojektionen zeigen. Krioukov spricht auch über die Debatte um ein Bewerbungsvideo des News-Reporters Amir Makatow und die Frage, wem man eine Plattform bietet. Dabei unterscheidet sie zwischen privatem und öffentlichem Austausch.

„aber sobald man Sachen öffentlich ausverhandelt, bietet man ja auch immer bestimmten Meinungen und Sachen eine Plattform und es ist einfach eine Entscheidung.“

Trotz aller negativen Themen, so Krioukov, überwiege für sie das Positive. Beim Reden über Antisemitismus komme oft zu kurz, wie sehr sie ihre Community schätze – die Feiertage, die Traditionen, den Witz. Im nächsten Magazin, das im Juni erscheinen soll, wolle die Redaktion mehr davon zeigen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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