Folge #62 · Zu Gast: Katja Adler

FDP-Abgeordnete Katja Adler: „Ich halte das für völlig überzogen“

Im based.-Podcast verteidigt die Bundestagsabgeordnete das umstrittene „D-Day“-Papier ihrer Partei, fordert eine Rückbesinnung auf liberale Werte – und erklärt, warum sie trotz Rückschlag in der FDP bleibt.

11. Dezember 2024 · based. Podcast
FDP-Abgeordnete Katja Adler: „Ich halte das für völlig überzogen“

Kurz vor der vorgezogenen Bundestagswahl steht die FDP unter massivem öffentlichen Druck. Im Podcast based. war die hessische Bundestagsabgeordnete Katja Adler zu Gast und sprach über das sogenannte „D-Day“-Papier, die Führungsfrage rund um Christian Lindner und ihre eigene politische Zukunft. Adler zog bei der Listenaufstellung in Hessen den Kürzeren und wird der neuen Legislatur voraussichtlich nicht mehr angehören.

Streit um das „D-Day“-Papier

Die Recherchen um die interne Vorbereitung des Ampel-Ausstiegs bezeichneten manche Medien als politischen Skandal, andere als Medienkampagne. Adler, selbst FDP-Mitglied, ordnete die Aufregung als übertrieben ein.

„Nein, ganz im Gegenteil, ich halte das für völlig überzogen.“

Die Wortwahl in dem Papier – Begriffe wie „D-Day“ oder „Feldschlacht“ – kritisierte sie zwar, verteidigte aber, dass sich eine Partei auf verschiedene Szenarien vorbereite. Den Rückzug von Generalsekretär Bijan Djir-Sarai hält sie für einen Fehler. Auch eine Debatte über den Parteivorsitz lehnt sie zum jetzigen Zeitpunkt ab.

„Mehr Musk und Milei wagen“

Für Diskussionen sorgte Lindners Aussage, man müsse „mehr Musk und Milei wagen“. Adler stellte sich hinter den Satz und plädierte dafür, den Staatsapparat zu verschlanken. Von der FDP forderte sie mehr Standfestigkeit gegenüber Kritik in sozialen Medien.

„Politik ist doch nicht dafür da, dass man jedem gefallen will.“

Zugleich vermisst sie in ihrer Partei einen „wirklich gelebten Liberalismus“ – also die Bereitschaft, abweichende Meinungen auszuhalten. Ihr eigenes Abstimmverhalten, etwa gegen das Selbstbestimmungsgesetz, sieht sie als einen Grund für ihre schlechtere Listenplatzierung.

Zwischen Kritik und Parteitreue

Trotz ihrer Differenzen und der Zurücksetzung auf der Liste denkt Adler nicht an einen Austritt. Auf die Frage, warum sie die FDP nicht verlasse, antwortete sie mit Verweis auf ihre langjährige Mitgliedschaft seit 2010.

„Das ist meine politische Heimat und man tritt nicht einfach in eine Partei ein und tritt dann einfach aus einer Partei wieder aus.“

Ein Bundestagsmandat sei für politisches Engagement nicht zwingend nötig, betonte Adler. Sie bleibe kommunalpolitisch aktiv, wurde jüngst wieder zur Vorsitzenden in Oberursel gewählt und will für eine „Neuausrichtung“ und ein Rückbesinnen auf liberale Werte kämpfen. Ein Comeback auf Bundesebene schließt sie nicht grundsätzlich aus: „Nein, nichts ist unmöglich.“ Im Bonusteil auf Patreon sprach die in Eisenhüttenstadt geborene Adler zudem über ihr Buch „Rolle rückwärts DDR“ und über Vergleiche, die sie zwischen der heutigen Bundesrepublik und der DDR zieht.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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