Folge #60 · Zu Gast: Martin Hagen

Martin Hagen über bürgerliche Politik: "Die AfD ist wutbürgerlich"

Der bayerische FDP-Landesvorsitzende und Geschäftsführer der Denkfabrik Republik 21 spricht im Podcast „based.“ über das Verhältnis von Liberalen und Konservativen – und darüber, wo für ihn die Grenzen des Bürgerlichen liegen.

26. November 2024 · based. Podcast
Martin Hagen über bürgerliche Politik: "Die AfD ist wutbürgerlich"

In der 60. Folge des Politik-Podcasts „based.“ war Martin Hagen zu Gast, Landesvorsitzender der bayerischen FDP, Mitglied des FDP-Bundesvorstands und seit April 2024 Geschäftsführer der Denkfabrik Republik 21. Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, was der oft beanspruchte Begriff „bürgerlich“ eigentlich meint – und wie liberale und konservative Positionen zusammenpassen.

Was heißt bürgerlich?

Hagen bezog den Begriff zunächst auf eine Gesellschaftsform, in der Menschen nicht nach Stand, sondern nach eigener Leistung beurteilt würden. Auf die Frage, ob auch die AfD als bürgerlich gelten könne, antwortete er deutlich:

Die af d ist Wutbürgerlich.

Zur Begründung verwies er auf seine Zeit im Bayerischen Landtag, wo er fünf Jahre lang direkt neben der AfD gesessen habe. Bürgerlichkeit zeige sich für ihn auch im Habitus und in der politischen Kultur.

Liberale und Konservative im Diskurs

Hagen versteht sich selbst als Liberalen, während Mitstreiter wie Andreas Rödder oder Kristina Schröder aus dem konservativen Lager kommen. Republik 21, betonte er, sei keine reine FDP-Veranstaltung. Zugleich warnte er davor, das Profil zu verlieren:

Ja, wir wollen nicht beliebig sein mit der Breite des bürgerlichen Spektrums meinte ich, dass Republik 21 keine konservative Veranstaltung ist, kein CDU debattierclub.

Die Ära Merkel kritisierte er als von inhaltlicher Beliebigkeit geprägt. Er sprach von einer bewussten Strategie der „asymmetrischen Demobilisierung“, bei der kontroverse Themen abgeräumt worden seien. Unterschiede zwischen Liberalen und Konservativen sieht er vor allem in Fragen der Abwägung von Freiheit und Sicherheit, etwa bei der Vorratsdatenspeicherung oder in der Corona-Zeit.

Streit als Aufgabe der Mitte

Auf den Vorwurf hin, seine Denkfabrik betreibe „Kulturkampf“, hielt Hagen dagegen, zum Kulturkampf gehörten immer zwei Seiten. Polarisierung im Sinne erkennbarer Unterschiede sei für ihn nicht grundsätzlich problematisch:

Ich finde, es ist total in Ordnung, einer Demokratie zu streiten, leidenschaftlich zu streiten, zu polarisieren, dergestalt, dass man aufzeigt, was unterscheidet denn die Parteien voneinander.

Wenn die Bürger dagegen das Gefühl hätten, alle Parteien seien „eine Sauce“, erzeuge das Politikverdrossenheit und stärke die politischen Ränder. Deshalb, so Hagen, brauche es eine streitbare politische Mitte.

Mit Blick auf die AfD grenzte er sich klar ab: Die Partei dulde völkisches Denken, das Menschen nach Hautfarbe, Herkunft und Religion einteile, und verabschiede sich mit ihrer Haltung zu Russland von der Westbindung. Für die Bundestagswahl im Februar 2025 zeigte er sich überzeugt, dass die FDP wieder in den Bundestag einziehe, und warb für eine schwarz-gelbe Koalition unter einem voraussichtlichen Kanzler Friedrich Merz.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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