„Auch ein verbesserter Murks bleibt Murks“: Rainer Zitelmann über Ampel, FDP und die Weltreise eines Kapitalisten
Im „based.“-Podcast spricht der Historiker und Soziologe Rainer Zitelmann über das Ende der Ampel, die Zukunft der FDP und seine Umfragen zum Image des Kapitalismus in 35 Ländern.
In der 58. Folge des Podcasts „based.“ ist Rainer Zitelmann zu Gast – Historiker, Soziologe und Autor mehrerer Bücher zum Kapitalismus. Das Gespräch beginnt bei der aktuellen Politik und dem Bruch der Ampelkoalition, bevor es um sein Buch Weltreise eines Kapitalisten geht, für das er nach eigenen Angaben in 20 Monaten 30 Länder bereiste.
Ampel-Aus und die Lage der FDP
Zitelmann, selbst FDP-Mitglied, kritisiert, dass seine Partei nicht früher aus der Koalition ausgestiegen sei – etwa beim Heizungsgesetz. Er hält die nachträglichen Verbesserungen am Gesetz für wirkungslos in der öffentlichen Wahrnehmung.
Ich weiß, dass die Wähler es auch nicht gesehen haben und auch nicht gelesen haben, die sagen das ist Murks und auch ein verbesserter Murks bleibt Murks.
Für die Neuwahl im Februar gibt sich Zitelmann skeptisch, ob die FDP wieder in den Bundestag einzieht. Statt einer neuen Partei plädiert er für eine langfristige geistige Vorfeldarbeit nach dem Vorbild libertärer Thinktanks in anderen Ländern.
Umfragen zum Image des Kapitalismus
Für sein Buch ließ Zitelmann in zahlreichen Ländern Umfragen zum Bild von Marktwirtschaft und Kapitalismus durchführen. Nach eigener Aussage finanzierte er diese aus eigener Tasche.
Leider habe ich niemand gehabt, der mir das finanziert oder bezahlt hat, also habe ich es aus eigener Tasche bezahlt.
Deutschland ordnet er dabei im negativen Bereich ein. Besonders hebt er den Unterschied zwischen der objektiven Wirtschaftsfreiheit eines Landes und der Einstellung der Bevölkerung hervor: Die Schweiz stehe im „Index of Economic Freedom“ ganz oben, beim Image des Kapitalismus liege sie dennoch neutral bis negativ. In Polen und Tschechien sei das Bild dagegen deutlich positiver – Zitelmann führt dies auf die als gelungen empfundene wirtschaftliche Transformation zurück.
Ein weltweiter Zeitgeist
Zitelmann beschreibt einen globalen Trend hin zu mehr Staat und weniger Markt. Als Grund nennt er unter anderem Vergesslichkeit gegenüber historischen Erfahrungen. Bei seinen Vorträgen habe er stets gefragt, wer von Maos „großem Sprung nach vorne“ gehört habe – mit ernüchterndem Ergebnis.
Egal wo ich gesprochen habe, ob das in Asien war, in Südamerika, in Europa, in den USA, da haben immer nur ein paar Leute sich gemeldet.
Von den politischen Gegnern könne man im Marketing lernen, meint Zitelmann: Menschen ließen sich stärker über Emotionen als über Fakten bewegen. Zugleich betont er den Wert des Internets, das klassische Medien als Vermittler zunehmend ersetze. Auf die Frage nach seinem eigenen Antrieb verweist er auf familiäre Wurzeln und eine ganzheitliche Lebensphilosophie – von Büchern über erfolgreiche Menschen mit Behinderungen bis zu einem geplanten Werk über private Raumfahrt.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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