Folge #55 · Zu Gast: Jan Feddersen

Jan Feddersen über linken Antisemitismus: „Die Israelfrage ist für mich nicht verhandelbar“

Der taz-Redakteur spricht im based.-Podcast über seine Beobachtungen aus Neukölln, die Rolle der Linken nach dem 7. Oktober und den Satz „Nie wieder ist jetzt“.

22. Oktober 2024 · based. Podcast
Jan Feddersen über linken Antisemitismus: „Die Israelfrage ist für mich nicht verhandelbar“

Ein Jahr nach dem Überfall der Hamas auf Israel ist Jan Feddersen, Redakteur für besondere Aufgaben bei der taz und Autor des Buches Meine Sonnenallee. Notizen aus Neukölln, zu Gast im Podcast based. Im Gespräch mit den Hosts schildert er, wie er als Linker den Antisemitismus im eigenen Umfeld wahrnimmt – und warum er in dieser Frage keine Kompromisse macht.

Eine klare Haltung

Während viele von gespaltenen Freundeskreisen berichten, beschreibt Feddersen seine eigene Position als unmissverständlich. Sobald das Existenzrecht Israels bestritten werde, sei für ihn die Debatte beendet.

Aber die Israel frage, so ich, so möchte ich sie mal nennen, ist für mich insofern nicht verhandelbar.

In seinem Wohnumfeld beobachtet er nach eigener Aussage eine bedenkliche Stimmung. Zu den propalästinensischen Demonstrationen sagt er deutlich, was ihm auffällt: nämlich „eine heftige Verliebtheit in terroristische exterminatorische Aktivitäten gegen Israel“.

Neukölln als Ausgangspunkt

Am 7. Oktober begann Feddersen, ein Tagebuch über seinen Stadtteil zu führen. Er beschreibt Neukölln als Ort, an dem seine „Leute“ leben, und benennt seine Herkunft mit den Worten, er sei „ein Kind der Arbeiterklasse“. Trotz seiner Sorge, dass Nachbarn islamistische Propaganda gutheißen könnten, sei sein Alltag von Freundlichkeit geprägt geblieben. Zur Verteilung von Süßigkeiten nach dem Angriff erinnert er sich an das Gefühl, „dass ich in meiner eigenen politisch und kulturellen Haltung gegenüber feindlich gesonnenen Milieu da einfach weiter lebe“.

Kritik an der Linken und am „Nie wieder“

Feddersen ordnet die Aversion vieler Linker gegenüber Israel historisch ein und führt sie unter anderem auf Neid zurück. Den linken Blick auf Israel bewertet er scharf – intellektuell wie moralisch. Auch den Umgang mit dem Satz „Nie wieder ist jetzt“ nach den Protesten gegen rechts sieht er kritisch, weil dabei die Antisemitismusfrage ausgespart bleibe.

Und dann insofern, weil das, weil die große Antisemitismus Frage ausgespart bleibt, empfinde ich dieses nie wieder von dieser Seite als ausgesprochen problematisch und ich kann dem nicht folgen.

Zu seiner Einschätzung der Kriegsführung im Gazastreifen räumt Feddersen ein, dass sein eigener Mann ihm mitunter Kälte vorwerfe – er wolle davon aber nicht abrücken, solange Geiseln in der Hand der Hamas seien. Seine Wortwahl mag distanziert klingen, doch er formuliert sein Ziel selbst: „Ich möchte, dass da bessere Verhältnisse ohne die Hamas einziehen.“

Zum Abschluss zeigt sich Feddersen dennoch nicht ohne Hoffnung. Er erwartet, dass es künftig in Israel jemanden geben werde, der „mit den Arabischen Nachbarn weitere diplomatische Verhandlungen aufnimmt“ – und mahnt zugleich, dass eine antisemitisch geprägte Linke der politischen Rechten näherstehe, als ihr selbst recht sein könne.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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