Folge #54 · Zu Gast: Philipp Bagus

„Wie konnte einer von uns Präsident werden?“ – Ökonom Philipp Bagus über Javier Milei

Der libertäre Ökonom Philipp Bagus kennt Argentiniens Präsidenten persönlich. Im Podcast „based.“ erklärt er, wie ein Vertreter der Österreichischen Schule an die Staatsspitze gelangen konnte – und woran sein Projekt scheitern könnte.

13. Oktober 2024 · based. Podcast
„Wie konnte einer von uns Präsident werden?“ – Ökonom Philipp Bagus über Javier Milei

In der 54. Folge des Politik-Podcasts „based.“ ist der an der Rey-Juan-Carlos-Universität in Madrid lehrende Ökonom Philipp Bagus zu Gast. Er hat ein Buch über Argentiniens Präsidenten Javier Milei geschrieben und kennt diesen nach eigenen Angaben schon aus der Zeit vor dessen Amtsantritt. Ausgangspunkt des Gesprächs ist die Frage, wie ein erklärter Gegner eines großen Staates überhaupt gewählt werden konnte.

Ein „beinahe Wunder“

Bagus verweist auf die wirtschaftliche Lage Argentiniens: eine Armutsquote von 55 Prozent, seit 1982 keine steigenden Realeinkommen. Dass ausgerechnet ein Libertärer in dieser Situation Präsident wurde, hält er für außergewöhnlich – gerade weil politische Anreize eigentlich anders wirkten.

„was verwunderlich ist, dass einer von uns Präsident eines Landes geworden ist, weil, wie sie schon gesagt haben, die Anreize sind eigentlich so, dass nicht jemand gewählt wird, der den Staat ablehnt“

Milei sei erst 2014 im Fernsehen aufgetaucht und habe sich über Talkshows, Straßenvorlesungen und ein Theaterstück eine Gefolgschaft erarbeitet, so Bagus. Den Schritt in die Politik begründe Milei mit einem Fußball-Gleichnis: Der Kulturkampf auf den Rängen reiche nicht, jemand müsse auf dem Spielfeld die Tore schießen.

Zustimmung auch bei den Ärmsten

Bagus schildert, dass Milei gerade in den ärmsten Vierteln von Buenos Aires hohe Stimmenanteile erzielt habe. Der Präsident habe Inflation als Steuer erklärt, die vor allem die Ärmsten treffe, und den Konflikt nicht als arm gegen reich, sondern als Bürger gegen die „Politkaste“ gerahmt. Es sei zudem keine reine Wutwahl gewesen, betont Bagus, sondern eine „informierte Wut“ – etwa bei Jüngeren, die im langen Lockdown Milei-Videos gesehen hätten.

„Die Bücher der österreichischen Schule Mieses Human Action ist dauernd ausverkauft in Argentinien und die Laufen mit den Büchern auf der Straße rum“

Kritik, Konservative und die Grenzen der Freiheit

Im Gespräch werden auch Kritikpunkte verhandelt: Vorwürfe des Rechtspopulismus, das krawallige Auftreten, das Bündnis mit Konservativen und die Frage, ob hartes Durchgreifen gegen Demonstranten autoritär sei. Bagus verteidigt Mileis kompromisslosen Kurs beim Haushalt und weist den Autoritarismus-Vorwurf mit einem Bild zurück.

„autoritär ist die Sklaverei zu haben und beibehalten zu wollen, also also, also nein“

Die Familie und andere Institutionen bezeichnet Bagus als Stützpfeiler einer freien Gesellschaft und begründet damit die Zusammenarbeit mit Konservativen. Er räumt ein, dass ein solches Bündnis das Risiko berge, „gekapert“ zu werden – letztlich sei es eine „politische Abwägungsfrage“. Scheitern könne Milei etwa an der Opposition, an internen Machtkämpfen oder gar an einem Anschlag; könne er seine „Rezepte“ jedoch anwenden, sei ein Aufschwung aus seiner Sicht keine Frage des Zufalls, sondern ökonomischer Theorie. Auf Deutschland bezogen sieht Bagus zwar Bedarf, aber keine baldige Wahrscheinlichkeit für einen deutschen Milei.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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