„Die Energiewende, so wie wir sie vorhaben, die wird überhaupt nicht funktionieren“
NZZ-Journalist Morten Freidel erklärt im based.-Podcast, warum er den deutschen Klimaschutz für gescheitert hält – und plädiert für einen marktwirtschaftlichen Weg.
In der 53. Ausgabe des Politik-Podcasts based. ist Morten Freidel zu Gast, stellvertretender Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung in Deutschland und Autor des Buches „So rettet ihr das Klima nicht“. Ausgelöst durch den russischen Überfall auf die Ukraine habe er sich intensiv mit Energiepolitik beschäftigt – und sei zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen.
Vom Desinteresse zum Buch
Freidel schildert, wie er sich schrittweise durch die energiepolitischen Fragen gearbeitet habe: vom Weiterbetrieb der Atomkraftwerke über Fracking bis zur grundsätzlichen Ausrichtung der Energiewende. Am Ende habe er einen klaren Schluss gezogen.
„nein, die Energiewende, so wie wir sie vorhaben, die wird überhaupt nicht funktionieren, die wird nur dazu führen, dass wir unseren Wohlstand gefährden.“
Den Atomausstieg bezeichnet er als „geradezu tragisch und ein schwerer strategischer Fehler“. Die Ablehnung der Atomenergie sieht er als „Wohlstandsphänomen“: Nur wer sich sicher fühle, könne sich den Verzicht auf eine Technologie leisten.
Verzicht als Sackgasse
Ausführlich setzt sich Freidel mit der These der taz-Journalistin Ulrike Herrmann auseinander, wonach Klimaschutz wirtschaftliches Schrumpfen erfordere. Für den globalen Maßstab hält er das für nicht durchsetzbar. Ärmere Länder in Afrika und Asien würden nicht auf Wohlstand verzichten.
„ihr könnt entweder Klimaschutz haben und dafür für immer arm bleiben. Oder ihr könnt einfach Wohlstand haben, dann werden die sich auf jeden Fall für das zweite entscheiden“
Zugleich betont er, gegen persönlichen Verzicht sei er nicht: Wer für das Klima zurückstecke, habe seinen „größten Respekt“. Als Pflichtprogramm für ganze Bevölkerungsteile aber werde das scheitern.
Der liberale Gegenentwurf
Freidel wirbt für eine marktwirtschaftliche Klimapolitik mit einem sektorübergreifenden Emissionshandel und radikaler Technologieoffenheit. Die Politik solle Leitplanken setzen, aber der Wirtschaft die Suche nach Lösungen überlassen. Kritikern, die dem Marktweg misstrauen, hält er entgegen: „lass doch einfach gucken, was passiert.“ Vor Forderungen nach einer Aushebelung der Demokratie zugunsten des Klimaschutzes warnt er scharf.
„Die Leute, die das ernsthaft fordern, sind für mich ein Fall für den Verfassungsschutz.“
Seine Hoffnung liegt am Ende weniger auf Deutschland als auf dem Ausland – auf Großbritannien, den USA, Polen oder Finnland, wo Energiepolitik pragmatischer betrieben werde. Entscheidend sei aber vor allem, ob eine junge Generation grüner Politiker mit den Überzeugungen der Parteigranden breche. Erst dann würde auch er wieder „zaghaft Hoffnung fassen“.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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