Folge #41 · Zu Gast: Vince Ebert

Vince Ebert über die Freiheit der Wissenschaft

Der Physiker und Kabarettist Vince Ebert hinterfragt den Satz „Follow the Science“.

7. April 2024 · based. Podcast
Vince Ebert über die Freiheit der Wissenschaft

„Follow the Science!“ – diesen Satz konnte man in den vergangenen Jahren oft im Diskurs über die verschiedenen Krisen vernehmen. Doch gibt es überhaupt „die“ eine Wissenschaft? Der Satz suggeriert eine Eindeutigkeit, die es in der Forschung so häufig nicht gibt. Über dieses Thema spricht der Physiker und Kabarettist Vince Ebert, der mit seinem Buch „Lichtblick statt Blackout“ einen Spiegel-Bestseller gelandet hat.

Die Grenzen von „Follow the Science“

Ebert verweist auf die Pandemie: Virologen wie Christian Drosten wurde vertraut, während anderen wie Hendrik Streeck wegen seiner wissenschaftlichen Ansichten sogar Menschenfeindlichkeit vorgeworfen wurde. Zeigen die unterschiedlichen Reaktionen auf die Arbeit der Wissenschaft nicht, dass der Satz „Follow the Science“ Gefahren birgt? Am Beispiel der Pandemie zeigt sich, wie schnell wissenschaftliche Deutungshoheit zu einer politischen Frage werden kann. Wissenschaft, so der Gedanke, liefert selten eindeutige politische Handlungsanweisungen, sondern lebt vom Streit und von der Bereitschaft, Thesen zu widerlegen.

Kernenergie und ideologische Debatten

Ein weiteres Beispiel ist die Debatte um die Nutzung der Kernenergie, um emissionsarme Energie zu gewinnen. Diese werde jedoch oft aus ideologischen Gründen abgelehnt, auch von Klimaaktivisten. So werde emissionsarme Energie aus der Kernkraft trotz ihres möglichen Nutzens für den Klimaschutz vielfach abgelehnt. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wer ist eigentlich die Instanz, die „gute“ von „schlechter“ Wissenschaft unterscheidet? Ein einfacher Verweis auf „die Wissenschaft“ genügt dafür nicht.

Ebert ist studierter Physiker und zugleich Kabarettist – eine Kombination, die ihm erlaubt, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen miteinander zu verbinden. Sein Buch „Lichtblick statt Blackout“ wurde zum Spiegel-Bestseller. Ebert plädiert für einen nüchternen und offenen Umgang mit Forschung und ihren Ergebnissen.

Freie Forschung unter Druck

Zur Sprache kommt schließlich die Freiheit der Wissenschaft selbst. Wie hat sich die freie Forschung in den vergangenen Jahren verändert? Hat die Polarisierung der Debattenkultur auch Einfluss auf die akademische Freiheit genommen? Und kann es sogar noch schlimmer werden, wenn man sich anschaut, wie die Zustände an US-amerikanischen Universitäten aktuell sind? Das Gespräch mit Vince Ebert lotet aus, wie viel Offenheit und wie viel Widerspruch die Wissenschaft braucht, um frei zu bleiben – und warum ein pauschaler Verweis auf „die Wissenschaft“ dem komplexen Forschungsbetrieb kaum gerecht wird.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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