„Generation Krokodilstränen“: Wie Wokeness laut Pauline Voss Macht ausübt
Die Journalistin Pauline Voss erklärt im based.-Podcast, warum sie in der woken Bewegung totalitäre Züge sieht – und deutet sie mit den Theorien von Michel Foucault.
In der 38. Folge des Podcasts based. ist die freie Journalistin Pauline Voss zu Gast. Sie hat ein Buch mit dem Titel „Generation Krokodilstränen“ geschrieben, in dem sie sich mit den Machttechniken der Wokeness auseinandersetzt. Ihr Ansatz: Sie nutzt den Philosophen Michel Foucault, um die Bewegung zu analysieren – nach eigenen Worten will sie „den Säulenheiligen der Broken Bewegung“ gegen diese Bewegung wenden.
Warum Wokeness für Voss problematisch ist
Auf die naive Frage der Moderatoren, wieso die woken Machtstrukturen überhaupt gefährlich seien, antwortet Voss mit dem Verweis auf die Art der Machtausübung. Nicht das Ziel, sondern die Methode sei das Problem.
Weil die Art, wie Macht ausgeübt wird, eben nicht demokratisch ist, sondern meines Erachtens nach totalitäre Züge trägt.
Statt Argumente auszutauschen, werde der Gegner „einer formalen Prüfung unterzogen“ und aus dem Diskurs ausgeschlossen, so Voss. Damit stelle man sich den eigentlichen Problemen nicht.
Das Panoptikon und die Selbstkontrolle
Zentral für ihre Analyse ist Foucaults Bild des Panoptikons – eines Gefängnisses, in dem der Einzelne permanent sichtbar ist, die Macht selbst aber nicht einsehen kann. Voss überträgt das auf das Internet und den Alltag: Menschen kontrollierten sich selbst, weil sie nie wissen, ob sie gerade beobachtet werden. Auffällig sei dabei, dass niemand die Regeln verordne.
Also ich weiß nicht, wie ihr das Wahrnehmt, aber ich finde das in unserer Generation sehr stark, dass Leute sich an Regeln halten, die ihnen gar nicht diktiert werden.
Von einer „Meinungsdiktatur“ will Voss deshalb ausdrücklich nicht sprechen. Aus diesem Grund verweigert sie den Begriff bewusst – die Regeln würden verinnerlicht, nicht befohlen.
Betroffenheit als Machtmittel
Der Buchtitel spielt auf den Vorwurf an, dass Betroffenheit instrumentalisiert werde. Voss bestreitet nicht, dass es Diskriminierung gibt, hält aber gerade die kleinen Vorfälle für besonders anfällig für Instrumentalisierung.
Und je kleiner diese diskriminierenden Vorfälle sind, desto besser lassen sie sich instrumentalisieren, weil gleichzeitig leidet man darunter ja nicht so stark.
Im Gespräch geht es außerdem um die Rolle des Staates. Voss sieht mit Sorge, dass woke Positionen zunehmend institutionalisiert würden – sie nennt etwa das Selbstbestimmungsgesetz und den 13-Punkte-Plan gegen Rechtsextremismus. Kritisch bewertet sie dabei den Umgang mit Äußerungen unterhalb der Strafbarkeitsgrenze und die Verschiebung dessen, was als „Demokratie“ gelte.
Zum Abschluss rät Voss den Hörerinnen und Hörern, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und sich nicht einschüchtern zu lassen – möglichst auf eine Weise, „die Spaß macht und die so was spielerisches hat“.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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