Wie uebt Wokeness Macht ueber uns aus?
Die Journalistin Pauline Voss deutet mit Foucault die Machttechniken der Wokeness - und sieht darin vor allem Konformismus.
Die freie Journalistin Pauline Voss, zuvor Redakteurin im Auslandsressort der Neuen Zuercher Zeitung, hat das Buch Generation Krokodilstraenen ueber die Machttechniken der Wokeness geschrieben. Ihr besonderer Zugang: Sie nutzt den Philosophen Michel Foucault, um die Bewegung gewissermassen mit ihrem eigenen Saeulenheiligen zu dekonstruieren.
Nicht demokratisch, sondern totalitaer
Auf die bewusst naiv gestellte Frage, warum Wokeness gefaehrlich sei, antwortet Voss mit der Art der Machtausuebung:
Weil die Art, wie Macht ausgeübt wird, eben nicht demokratisch ist, sondern meines Erachtens nach totalitäre Züge trägt.
Statt Argumente auszutauschen, werde der Gegner moralisch geprueft und aus dem Diskurs ausgeschlossen, um ihn mundtot zu machen.
Das Panoptikum
Voss uebertraegt Foucaults Bild des Panoptikums auf die Gegenwart. Das auf Jeremy Bentham zurueckgehende Modell beschreibt ein Gefaengnis, in dem jeder Gefangene permanent von einem Wachturm einsehbar ist, den er selbst nicht einsehen kann. Uebertragen auf das Internet heisse das: Wer sich aeussere, sei fuer alle sichtbar und koenne von anonymen Gegenuebern kritisiert werden. Das fuehre zur staendigen Selbstkontrolle:
ich finde das in unserer Generation sehr stark, dass Leute sich an Regeln halten, die ihnen gar nicht diktiert werden.
Internalisierte Macht
Den Kern sieht Voss in der Verinnerlichung des Machtverhaeltnisses:
dass man dieses Machtverhältnis internalisiert, also dass man eben selber diesen Regeln nachkommt, ohne dass noch irgendwer einen dazu drängen müsste
Als Beispiel dient die Frage, ob man in einer Hausarbeit begruenden muesse, dass man nicht gendere. Daraus leitet Voss ihren Vorwurf des Konformismus ab: Die woke Bewegung habe fuer sie viel von preussischen Sekundaertugenden und wirke gerade dort spiessig, wo sie sich als besonders progressiv verstehe.
Der Zwang, progressiv zu sein
Voss zieht die Parallele zum well respected man aus einem Lied der Kinks - dem angepassten Buerger, der fuer seine Konformitaet bewundert wird und sich frei fuehlt, ohne es zu sein. Dass sich viele Linke dennoch fuer unspiessig hielten, erklaert sie mit der Angst, nicht cool zu sein, und einem Zwang, progressiv sein zu muessen. Weil Konservativsein so negativ besetzt sei, traue sich kaum jemand mehr, eigene konservative Wuensche einzugestehen - obwohl viele in ihrer Lebensfuehrung sehr auf Regeln, Formalitaeten und Aeusserlichkeiten setzten.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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