Ralf Fücks: Warum Klimaschutz Wachstum braucht
Der Mitgründer des Zentrums Liberale Moderne erklärt im based.-Podcast, warum er Degrowth für eine Illusion hält – und wie er Kapitalismus und Klimaschutz zusammenbringen will.
In der 37. Ausgabe des Politik-Podcasts based. war Ralf Fücks zu Gast, Gründer und geschäftsführender Gesellschafter des Zentrums Liberale Moderne in Berlin und langjähriger Grünen-Politiker. Im Zentrum des Gesprächs stand die Frage, ob Kapitalismus und Klimaschutz zusammenpassen – und warum Fücks der Wachstumskritik eine klare Absage erteilt.
Absage an Degrowth
Fücks hält Wachstum nicht für ein Ziel an sich, sondern für ein Ergebnis marktwirtschaftlicher Innovation. Mit Blick auf eine wachsende Weltbevölkerung und Milliarden Menschen, die aus der Armut aufsteigen, sieht er im Verzicht keine tragfähige Strategie:
Das heißt, Degrowth ist im globalen Maßstab eine reine Illusion, sogar eine Realitätsflucht.
Zwar räumt er den Wachstumskritikern richtige Diagnosen ein – das bisherige Modell beruhe auf Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen. Die Lösung sieht er aber in der Entkopplung von Wertschöpfung und Naturverbrauch, dem Konzept von Green Growth. Als Beispiel führt er Deutschland an, wo sich das Sozialprodukt seit 1990 annähernd verdoppelt habe, während die CO2-Emissionen um 40 Prozent gesunken seien.
Verzicht als Sackgasse
Verhaltensänderungen wie weniger Fleisch oder mehr Fahrrad hält Fücks für sinnvoll, aber begrenzt: Über individuellen Verzicht erreiche man höchstens 20 bis 25 Prozent der Klimaziele, der Rest müsse über technologische Innovation kommen. Eine Klimapolitik, die vor allem an die Individuen appelliert, sieht er kritisch:
Der Idealismus kippt dann sehr leicht ins Autoritäre, also wenn wir ökologische Politik und Klimaschutz vor allem als Anforderung an die Individuen formulieren.
Damit produziere man vor allem Widerstand – und liefere Populisten eine Vorlage gegen vermeintliche Eliten, die anderen vorschreiben wollten, wie sie zu leben hätten.
Der Markt als Innovationsverfahren
Fücks setzt stattdessen auf den Ordnungsrahmen: Preise müssten die ökologische Wahrheit sagen, die externen Umweltkosten müssten ins Preissystem einbezogen werden. Leitinstrument ist für ihn der Emissionshandel mit sozialem Ausgleich. Den Verzicht auf das Klimageld nennt er einen Riesenfehler. Die zentrale Aufgabe formuliert er zugespitzt:
Das ist, glaube ich, die zentrale Aufgabe, sozusagen den Kapitalismus vor den ökologischen Karren zu spannen.
Statt kleinteiligem Ordnungsrecht – wie er es etwa in der Debatte um das Heizungsgesetz beobachtet – wünscht sich Fücks einen klaren Rahmen mit steigenden CO2-Preisen und gezielter Innovationsförderung. Deutschlands wichtigste Rolle sieht er dabei weniger in den eigenen 1,7 Prozent an den globalen Emissionen als in seiner Funktion als Technologie- und Industrienation. Zum Abschluss zeigte er sich vorsichtig optimistisch: Ein grünes Wirtschaftswunder in naiver Form erwarte er zwar nicht, wohl aber eine neue marktwirtschaftliche Dynamik – etwa durch ein wachsendes grünes Unternehmertum in der Start-up-Szene.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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