Ralf Fücks wirbt für marktwirtschaftlichen Klimaschutz statt Degrowth
Der Grüne Ralf Fücks erklärt bei based., warum er auf Green Growth und Emissionshandel setzt und die Schrumpfungsideen seiner Parteifreunde für einen Irrtum hält.
Ralf Fücks war Bremer Bürgermeister und Vorsitzender der Heinrich-Böll-Stiftung, heute leitet er das Zentrum Liberale Moderne. In dieser Folge von based. verteidigt der Grüne einen marktwirtschaftlichen Klimaschutz gegen die Degrowth-Ideen mancher Parteifreunde.
Warum Schrumpfung keine Lösung ist
Fücks erkennt an, dass das bisherige Wachstumsmodell auf Raubbau an den natürlichen Lebensgrundlagen beruht. Dennoch hält er den Verzicht auf Wachstum angesichts einer wachsenden Weltbevölkerung und aufstrebender Schwellenländer für aussichtslos:
Degrowth ist im globalen Maßstab eine reine Illusion, sogar eine Realitätsflucht.
Die entscheidende Frage sei die Entkopplung von Wohlstand und Naturverbrauch. Als Beleg nennt er Deutschland, dessen Sozialprodukt sich seit 1990 annähernd verdoppelt habe, während die CO2-Emissionen um 40 Prozent gesunken seien.
Die Gefahr des autoritären Kipppunkts
Fücks warnt davor, Klimaschutz vor allem als Verzichtsforderung an den Einzelnen zu formulieren. Das erzeuge Widerstand und drohe umzuschlagen:
Der Idealismus kippt dann sehr leicht ins Autoritäre
Die Individualisierung der Klimafrage sei eine Sackgasse, weil sich über individuellen Verzicht die nötigen Größenordnungen an CO2-Reduktion gar nicht erreichen ließen.
Emissionshandel statt Kleinklein
Als Leitinstrument setzt Fücks auf den Emissionshandel mit sozialem Ausgleich, den er einen harten Eingriff in den Markt nennt, aber Ordnungspolitik statt kleinteiligem Ordnungsrecht. Preise müssten die ökologische Wahrheit sagen, damit sich klimafreundliche Investitionen rechnen. So lasse sich die Innovationskraft des Marktes nutzen:
den Kapitalismus vor den ökologischen Karren zu spannen
Das nicht umgesetzte Klimageld hält er für einen Riesenfehler, weil ein sozialer Ausgleich Voraussetzung sei, wenn man auf steigende CO2-Preise setze.
Der globale Blick
Auf die Frage, wie Klimaschutz weltweit gelingen könne, urteilt Fücks über China differenzierter, als es der Ruf des Landes vermuten lässt: Peking sei zugleich Champion beim Ausbau von Wind- und Solarenergie und Vorreiter bei der Elektromobilität, weil es umweltfreundliche Technologien als Zukunftsmarkt besetzen wolle. Deutschlands größter Hebel liege ohnehin weniger in den eigenen 1,7 Prozent an den globalen Emissionen als in seiner Rolle als Technologie- und Industrienation. Entwicklungsländern müsse man helfen, den Umweg über den fossilen Industrialismus zu vermeiden.
Grünes Unternehmertum
Zum Abschluss beschreibt Fücks, dass sich in der Start-up-Szene ein grünes Unternehmertum herausbilde, das ökologischen Idealismus mit technologischem Know-how und Unternehmergeist verbinde. Trotz aller Kosten hält er an der Idee eines grünen Wirtschaftswunders fest, das er als Aufbruch und nicht als Rückzug in eine illusionäre Vergangenheit versteht.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
← Alle Folgen