Folge #36 · Zu Gast: Stefan Kolev

Stefan Kolev: Braucht Deutschland mehr Hayek?

Der Ökonom Stefan Kolev erklärt bei based., warum er für einen liberalen Ordnungsrahmen plädiert und die Mitte wieder streiten lernen muss.

3. März 2024 · based. Podcast
Stefan Kolev: Braucht Deutschland mehr Hayek?

Stefan Kolev leitet das Ludwig Erhard Forum in Berlin. Im based.-Gespräch beschreibt der Ökonom die aktuellen Krisenzeiten als Chance, wieder über Grundsätzliches zu reden. Sein Forum wolle eine neuartige Stimme und zugleich eine Plattform sein, auf der zivilisiert gestritten werde. Ein Kernproblem sieht er im Zustand der demokratischen Mitte.

die Mitte in unserer Demokratie hat in den letzten Jahren meines Erachtens verlernt zu diskutieren

Englischer und französischer Garten

Kolev wirbt mit Bezug auf Friedrich August von Hayek für einen Ordnungsrahmen, in dem sich die Wirtschaft frei entfalten kann – „Laissez-faire within rules“. Den Gegensatz zu einem aktiv eingreifenden Staat, wie ihn etwa Robert Habeck oder Mariana Mazzucato beschreiben, veranschaulicht er mit einem Bild.

Wirtschaft und Gesellschaft ist ein Garten und und wir alle sind Pflanzen in diesem Garten und der Staat ist so etwas wie ein Gärtner.

Im englischen Garten kultiviere der Gärtner den Rahmen, im französischen Garten stutze er jede Pflanze einzeln zurecht. Spezialisiertes Wissen entstehe dort, wo Menschen Erfahrung sammeln; man solle nicht übergriffig in fremde Domänen hineinregieren. Als konkretes Beispiel nennt er den europäischen Emissionshandel, der einen Rahmen setze, während Detailregelungen wie das Heizungsgesetz zu einem Bürokratiemonster würden.

Super-fragile Zeiten und die Mitte

Kolev warnt, dass in „super fragilen“ Zeiten viele Menschen das Vertrauen in die bestehende Ordnung aufkündigten und alternative Ordnungen suchten. Träfe darauf ein makroökonomischer Schock, drohe Gefahr. Die Demonstrationen gegen rechts hält er für wichtig, weil sie ein Bewusstsein für die Mitte schüfen. Seine Prägung als gebürtiger Bulgare, der Totalitarismus und das Chaos der 1990er Jahre erlebte, beschreibt er als anti-totalitären Reflex. Über den Libertarismus sagt er, aus einer regellosen „Wildwiese“ entstehe potenziell ein hässlicher Dschungel, in dem sich das Recht des Stärkeren durchsetze. Als Leitgedanke seines Liberalismus gilt ihm:

es reicht nicht zu wissen, wogegen man ist, sondern man sollte geistig eher daran arbeiten, wofür man ist

Kolev betont, dass es sehr wohl Menschen gebe, die besonders viel in das System aus Arbeits- und Wissensteilung einspeisten; zugleich verdiene jeder Einzelne Respekt für seine Lebensleistung. Individualismus versteht er nicht als Titanentum, sondern als Einzigartigkeit, die sich erst in sozialen Prozessen entfalte. Die AfD und den Ruf nach mehr Staat setzt er in Beziehung zu seiner These, dass Demokratie stärken vor allem heiße, mehr Vertrauen in den Einzelnen und in den bestehenden Ordnungsrahmen zu setzen – national, europäisch und international.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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