Folge #33 · Zu Gast: Gabor Steingart

Gabor Steingart über Deutschlands Wirtschaft: "Wir dribbeln auf der Stelle"

In Folge 33 von „based.“ spricht der Medienunternehmer über den relativen Abstieg des Industriestandorts, einen übergriffigen Staat und eine festgefahrene Debattenkultur.

11. Februar 2024 · based. Podcast
Gabor Steingart über Deutschlands Wirtschaft: "Wir dribbeln auf der Stelle"

In der 33. Folge des Podcasts „based.“ diskutieren die Hosts Benny und Dominik mit Gabor Steingart, Herausgeber und Chefredakteur von Media Pioneer, über den Zustand der deutschen Wirtschaft. Steingart ordnet die schrumpfenden Wachstumszahlen ein und betont, dass Deutschland vor allem im Vergleich zu seinen Wettbewerbern zurückfalle. Neben Energie- und Arbeitskräftefragen geht es auch um die Rolle des Staates, die Klimapolitik und den Umgang mit Russland.

Ein relativer Abstieg

Steingart betont, dass der Abstieg der größten europäischen Volkswirtschaft nicht neu sei, sondern sich über Jahre ziehe. Entscheidend sei die Relation zu anderen Ländern.

Wir sind in einer Phase, ich würde sagen mindestens seit 1015 Jahren wachsen wir langsamer als die anderen, das begründet die die Relativität des Abstiegs, und jetzt schrumpfen wir auch noch.

Als limitierende Faktoren nennt er die teurer gewordene Energiebasis nach dem Ukrainekrieg sowie den Arbeitskräftemangel. Von zwei wichtigen Seiten werde der Volkswirtschaft, so Steingart, „Sauerstoff“ entzogen.

Kritik am Staat und an der Klimapolitik

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Rolle des Staates, den Steingart als zu langsam und zu übergriffig beschreibt. Bürger und Unternehmer würden zunehmend zu Bittstellern.

Er hat sich zum Herrn aufgesprungen, er dominiert die, die Verfahren, die Prozesse, wenn ein Hauseigentümer irgendwas beantragt, dann ist er, ist er auf gar keinen Fall mehr der Hauseigentümer, der stolze, sondern er ist n Bittsteller vor dem Staat und wartet auf seine Genehmigungen.

Auch die deutsche Klimapolitik hält Steingart in ihrer nationalen Ausrichtung für wirkungslos: Fossile Rohstoffe fänden weltweit weiter Abnehmer. Wirtschaftsminister Robert Habeck kritisiert er scharf und wirft ihm mangelndes Gespür für ökonomische Zusammenhänge vor.

Russland, Sanktionen und die Debattenkultur

Beim Thema Russland plädiert Steingart dafür, Gesprächskanäle offenzuhalten, ohne Sanktionen einseitig aufzugeben. Die abgebrochenen Kontakte hält er für einen Fehler und verweist auf historische Vorbilder aus der Zeit des Kalten Krieges.

Zugleich beklagt er eine festgefahrene Debattenkultur, in der zu selten Klartext gesprochen werde.

Ja, oder man kann auch sagen, es sind zu wenig mutige Journalisten und Politiker, die sich trauen, da sich mal in den in den Wind zu stellen.

Trotz aller Kritik gibt sich Steingart am Ende nicht pessimistisch. Hoffnung mache ihm vor allem der Mittelstand, den er als „einzig nachwachsenden Rohstoff“ Deutschlands bezeichnet. Die Aufgabe der kommenden Jahre sieht er darin, dessen Potenzial zu erkennen und zu „entfesseln“.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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