Beatrice Achterberg über die Correctiv-Recherche: "Es hätte die Dramatisierung nicht gebraucht"
In Folge 30 von „based.“ diskutiert die NZZ-Journalistin über das Geheimtreffen von Potsdam, die Debatte um ein AfD-Verbot und die Bauernproteste.
In der 30. Folge des Podcasts „based.“ ist Beatrice Achterberg von der Neuen Zürcher Zeitung aus dem Berliner Büro zu Gast. Im Gespräch mit den Hosts geht es um die Correctiv-Recherche über ein Treffen von Funktionären und Unternehmern, bei dem über sogenannte Remigration gesprochen wurde, um die Frage nach einem AfD-Verbot und um die anhaltenden Bauernproteste. Achterberg ordnet sich dabei selbst humorvoll ein: "schuldig im Sinne der Anklage. Ich bin Teil Hauptstadt Bubble".
Harte Recherche, überdrehte Form
Achterberg würdigt die Recherche als journalistische Leistung, kritisiert aber deren dramatisierende Aufmachung. In vielen Redaktionen gelte der Grundsatz: je härter die Recherche, desto nüchterner solle man sie aufschreiben. Genau das habe Correctiv aus ihrer Sicht nicht getan.
"Ich glaube es hätte die Dramatisierung nicht gebraucht, das wäre auch so eine krasse Recherche gewesen."
Zugleich betont sie, dass der Begriff Remigration keineswegs neu sei, sondern schon länger im Wahlprogramm der Partei stehe – von einem „Geheimplan“ könne man deshalb kaum sprechen.
Kritik an den Verbotsforderungen
Deutlich positioniert sich Achterberg gegen die nach der Recherche wieder lauter gewordenen Rufe nach einem AfD-Verbot. Ein solches Verfahren würde ihrer Einschätzung nach Jahre dauern, sei unwahrscheinlich und würde die Partei eher stärken. Statt Verbote fordert sie politische Auseinandersetzung.
"man kann halt Unmut und Verdruss nicht verbieten"
Sie zeigt sich zudem irritiert über die reflexhaften Reaktionen aus der Politik: "Und ich bin auch ein bisschen. Entsetzt, dass Politiker dann immer über dieses Stöckchen springen." Ein gescheitertes Verfahren, so argumentiert sie, würde die AfD in ihrer Opferrolle bestätigen.
Bauernproteste und das Framing
Ein weiteres großes Thema der Folge sind die Proteste der Landwirte, denen sich inzwischen auch Spediteure und Handwerker angeschlossen haben. Achterberg berichtet, sie habe sich die Demonstrationen in Berlin und Brandenburg angesehen und keine nennenswerten rechtsextremen Symbole gefunden. Die Kritik richtet sie hier vor allem an Teile der Medien.
"ich bin von Journalisten noch enttäuschter als von Politikern"
Sie hält fest, es sei nicht Aufgabe von Journalisten, zu bestimmen, wer protestieren dürfe und wer nicht. Der Streichung der Agrardiesel-Subvention hätte man aus ihrer Sicht früher entgegentreten können. Von Vergleichen mit der Weimarer Republik oder Umsturz-Fantasien hält sie wenig – sie warnt davor, in der Debatte zu „hyperventilieren“.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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