Beatrice Achterberg über die Correctiv-Recherche
Die NZZ-Journalistin bewertet die inszenierte Correctiv-Recherche, die Debatte um Remigration und die Rufe nach einem AfD-Verbot.
Zu Gast im based.-Podcast ist Beatrice Achterberg, Journalistin der Neuen Zürcher Zeitung im Berliner Büro. Anlass ist die Correctiv-Recherche über ein privates Treffen in Potsdam, an dem Funktionäre der AfD, der Identitären Bewegung und Unternehmer teilnahmen und bei dem über Remigration gesprochen wurde. Die Recherche löste bundesweite Demonstrationen und eine neue Debatte über ein AfD-Verbotsverfahren aus.
Recherche und Inszenierung
Achterberg kritisiert die dramatisierende, an ein Theaterstück erinnernde Aufmachung. In vielen Redaktionen gelte: je härter die Recherche, desto nüchterner solle man sie aufschreiben und die Fakten für sich sprechen lassen.
ich glaube es hätte die Dramatisierung nicht gebraucht, das wäre auch so eine krasse Recherche gewesen
Auch die Frage, ob Journalisten sich in ein privates Treffen einwanzen dürfen, hält sie für diskussionswürdig. Zugleich weist sie darauf hin, dass Remigration bereits seit 2021 im Wahlprogramm der AfD stehe - von einem Geheimplan könne insofern kaum die Rede sein.
Von daher könnte sich AFD glaube ich freuen über diese gratis Kampagne.
Der Begriff Remigration
Achterberg ordnet ein, was der beteiligte Martin Sellner unter Remigration verstehe: die Rückführung dreier Gruppen, darunter nicht assimilierte Eingebürgerte. Diesen Punkt hält sie für besonders fragwürdig und veranschaulicht das an ihrer eigenen Familiengeschichte - ihre Mutter ist Polin.
Ein weiteres Thema der Folge sind die Bauernproteste, die kurz zuvor im medialen Mittelpunkt standen und von einigen ebenfalls als rechtsextrem eingeordnet wurden. Achterberg geht zudem auf die Reaktionen führender AfD-Politiker ein: Während der Bundestagsabgeordnete René Springer die Recherche für sich nutzte und nachlegte, entließ Alice Weidel ihren Referenten Roland Hartwig, der an dem Treffen teilgenommen hatte.
Debatte um ein AfD-Verbot
Von den Forderungen nach einem Verbotsverfahren, wie sie vor allem aus SPD und Grünen kamen, hält Achterberg wenig. Ein Verbot sei unwahrscheinlich, würde Jahre dauern und die Partei wahrscheinlich eher stärken.
man kann halt Unmut und Verdruss nicht verbieten
Sie nennt die Verbotsforderungen fantasielos und faul. Schwächen lasse sich die AfD nur mit vernünftiger Politik; ein gescheitertes Verfahren würde sie dagegen in ihrer Opferrolle bestärken.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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