„Bitcoin ist geprägte Freiheit“: Ijoma Mangold über die politische Dimension der Kryptowährung
Der Zeit-Redakteur und Autor der „orangenen Pille“ erklärt im based.-Podcast, warum er Bitcoin für ein Freiheitsgeld hält – und zieht dabei Parallelen zu Buchdruck, Reformation und der Finanzkrise.
In Folge 29 des Podcasts „based.“ spricht der Journalist und Buchautor Ijoma Mangold über Kryptowährungen und ihre gesellschaftspolitische Bedeutung. Mangold, eigentlich Feuilleton-Redakteur und Literaturkritiker, hat mit „Die orangene Pille“ ein Buch über Bitcoin geschrieben. Im Gespräch mit den Moderatoren Dominik und Benjamin erläutert er, warum ihn die Kryptowährung fasziniert – und weshalb er sie als „Freiheitswährung“ bezeichnet.
Eigenverantwortung statt Drittpartei
Für Mangold liegt der zentrale Unterschied zum herkömmlichen Geld in der Selbstverwahrung. Bitcoin erlaube es erstmals im digitalen Zeitalter, Eigentum ohne Vermittlung durch eine Bank zu halten. Diese Autonomie sei jedoch mit hoher Verantwortung verbunden – bis hin zu körperlichen Reaktionen, wie er einräumt:
und bei Bitcoin merkt man das selber oder ich habe es an mir selber gemerkt, wenn ich meine meine privaten Schlüssel verwahre, da kriege ich feuchte Hände, weil ich so nervös bin
Wer die 24 Wörter besitze, mit denen der Zugriff kryptographisch abgesichert ist, habe die volle Verfügung über die Bitcoin – unabhängig von nationalen Grenzen.
Vom Buchdruck zur Reformation
Mangold ordnet Bitcoin in eine historische Reihe von Dezentralisierungsbewegungen ein und vergleicht die Technologie mit dem Buchdruck und der Reformation. Wie Martin Luther die Vermittlungsinstanz der Priester infrage gestellt habe, greife Bitcoin heute die Allianz aus Staat und Geld an. Besonders scharf kritisiert er die gewollte Inflation der Zentralbanken:
Ich, ich rede jetzt so etwas erregt, weil weil ich es tatsächlich immer nicht begreife, wie es möglich ist, dass das ohne Murren hingenommen wird.
Bitcoin sei, so Mangold, direkt aus der Unzufriedenheit mit der Finanzpolitik nach der Krise von 2008 entstanden.
Skepsis gegenüber dem digitalen Euro
Deutlich kritisch äußert sich Mangold zum digitalen Zentralbankgeld (CBDC). Während Bitcoin auf Dezentralität und Zensurresistenz setze, sei der digitale Euro „das totale zentrale Geld“. Als Beispiel für die Gefahren nennt er China, das Bitcoin-Mining verboten und gleichzeitig staatliches digitales Geld weit vorangetrieben habe. Zugleich verweist er auf die Regulierungsdebatte in Deutschland und den Stellenwert des Bargelds:
deswegen sagen Liberale immer schon Bargeld ist geprägte Freiheit
Ein Verbot von Bitcoin hält Mangold für praktisch kaum durchsetzbar, weil das dezentrale Netzwerk keinen einzelnen Angriffspunkt biete. Zugleich warnt er, dass die geplanten Bitcoin-ETFs großer Vermögensverwalter der ursprünglichen Idee widersprechen könnten – ob am Ende die Wall Street oder Bitcoin „stärker ist“, müsse die Geschichte zeigen.
Im zweiten Teil der Folge sprechen die Moderatoren mit dem IT-Unternehmer Ralf Ruthardt – zugleich Sponsor des Podcasts – über künstliche Intelligenz, Automatisierung von Geschäftsprozessen und die gesellschaftlichen Risiken der Technologie.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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