Ijoma Mangold über Bitcoin als „Freiheitswährung“
Der Zeit-Redakteur Ijoma Mangold erklärt, warum Bitcoin für ihn mehr ist als nur ein neues Geld.
Ijoma Mangold, Feuilleton-Redakteur der Zeit und Autor des Buches „Die orangene Pille“, bezeichnet Bitcoin als „Freiheitswährung“. Erstmals im digitalen Zeitalter lasse sich Eigentum halten, ohne dass eine Drittpartei es vermittle. Der Zugang sei allein kryptographisch abgesichert – über einen aus Wörtern bestehenden privaten Schlüssel. Das bedeute volle Eigenverantwortung, aber auch eine große Bürde, denn wer diese Wörter besitze, habe den Zugriff.
Dezentralisierung wie beim Buchdruck
Mangold zieht eine Parallele zwischen Bitcoin und dem Buchdruck, der die Reformation ermöglichte. Beide seien Werkzeuge der Dezentralisierung, die zentrale Vermittlungsinstanzen – damals die Priesterklasse, heute Banken – überflüssig machten.
Ich glaube, die die Kraft der Dezentralisierung in der Weltgeschichte generell sollten wir nicht unterschätzen.
Nicht zufällig, so Mangold, sei das Whitepaper des unbekannten Erfinders Satoshi Nakamoto am 31. Oktober 2008, dem Reformationstag, erschienen. Bitcoin sei eine direkte Antwort auf die Finanzkrise und richte sich gegen die Allianz aus Zentral- und Geschäftsbanken. Das inflationäre „Fiat“-Geldsystem – seit Nixons Aufhebung der Goldbindung 1971 – begünstige jene, die bereits besitzen, und entwerte das Ersparte über die Zeit. Bitcoin dagegen sei mit einer Obergrenze von 21 Millionen Einheiten knapp programmiert.
Bargeld und der digitale Euro
Mangold verteidigt das Bargeld als geschützte Freiheitsdimension.
Deswegen sagen Liberale immer schon Bargeld ist geprägte Freiheit.
Den geplanten digitalen Euro deutet er als Gegenreaktion der Zentralbanken auf Bitcoin – allerdings als vollständig zentralisiertes und potenziell überwachbares Geld. Er verweist auf China, das das Bitcoin-Mining verboten und zugleich digitales Zentralbankgeld sowie ein Social-Scoring-System vorangetrieben habe.
Ich bin ein großer Gegner von CBDCS, ich finde, es ist den größten Treppenwitz der Geschichte, dass die Antwort auf das Freiheitsgeld Bitcoin ausgerechnet werden soll, CBDCS.
Kreditwürdig sei zudem vor allem, wer bereits besitze, weshalb Vermögenswerte wie Aktien und Immobilien immer weiter stiegen – ein Gerechtigkeitsproblem, das Bitcoin als knappes, deflationäres Geld beheben solle. Er erinnert daran, dass mit Bitcoin einst zwei Pizzen für 10.000 Einheiten bezahlt wurden. Dass die Kryptowährung in der Politik und in den Medien lange als Schneeballsystem, als Geld für Kriminelle oder als „Umweltsau“ abgetan worden sei, hält Mangold für einen überholten Reflex; die normative Kraft des Faktischen, etwa die Debatte um Bitcoin-ETFs, setze sich durch.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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