Ahmad Mansour über Nahost, Antisemitismus und Integration
Der Islamismus-Experte spricht über den Nahostkonflikt, Antisemitismus in Deutschland und den politischen Islam.
In der 28. Folge von based. ist der Islamismus-Experte, Psychologe und Buchautor Ahmad Mansour zu Gast. Mansour, der sich selbst als palästinensischen Israeli bezeichnet und seit 2015 unter Personenschutz lebt, spricht über den Nahostkonflikt nach dem 7. Oktober, über Antisemitismus auf deutschen Straßen und über den politischen Islam.
Ein Appell an die Palästinenser
Mansour berichtet von seinem offenen Brief an die Palästinenserinnen und Palästinenser und verweist auf gescheiterte Friedensangebote seit 1948. Er wirbt für eine Zweistaatenlösung und ein Versöhnungsprojekt. Seine eigene, mehrschichtige Identität verteidigt er gegen Kritik von beiden Seiten:
Ich bin eine arabische palästinensische Israeli und das ist Teil meiner Identität.
Zu Benjamin Netanjahu sagt er, dieser sei politisch erledigt, und ordnet die Stimmung in der israelischen Gesellschaft nach dem 7. Oktober ein.
Antisemitismus ist herkunftsübergreifend
Die Verengung der Debatte auf einen rein „importierten“ Antisemitismus lehnt Mansour ab, ohne dessen Existenz zu leugnen:
Antisemitismus ist herkunftsübergreifend, man findet ihn im Links, im Rechts, in der Mitte der Gesellschaft
Er kritisiert, dass jede Seite nur den Antisemitismus der jeweils anderen sehe, und äußert sich kritisch zur Identitätspolitik, zur documenta sowie zur Rolle von Stiftungen und Verbänden.
Der digitale Krieg und Integration
Mansour beschreibt, wie die Hamas neben dem militärischen auch einen digitalen Krieg um die öffentliche Meinung führe:
die stärkste Waffe von Hamas sind die Bilder
Als Konsequenz fordert er eine Demokratieoffensive in den sozialen Medien und Medienkompetenz als Pflichtfach in den Schulen. Bilder, Fake News und Desinformation auf Plattformen wie TikTok und Instagram machten es aus seiner Sicht schwer, eine differenzierte Sicht auf den Nahen Osten zu behalten.
Beim Thema Integration plädiert Mansour für gewinnende Arbeit, Wertevermittlung und Bildung. Abschiebung sieht er nur als letztes Mittel, betont aber die Bedeutung spürbarer Konsequenzen bei Grenzüberschreitungen. Die Deutsche Islamkonferenz kritisiert er, weil die organisierten Verbände – viele davon aus dem Ausland gesteuert – nur eine Minderheit der Muslime repräsentierten und die große Mehrheit keine Stimme habe.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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