Folge #28 · Zu Gast: Ahmad Mansour

Ahmad Mansour über Israel, Antisemitismus und das Schweigen vieler Muslime

Der Islamismus-Experte spricht im „based."-Podcast über den Nahostkonflikt, importierten wie herkunftsübergreifenden Antisemitismus und die Einschüchterung derer, die anders denken.

22. Dezember 2023 · based. Podcast
Ahmad Mansour über Israel, Antisemitismus und das Schweigen vieler Muslime

In Folge 28 des Podcasts „based." ist Ahmad Mansour zu Gast – Psychologe, Buchautor und Experte für Islamismus. Im Gespräch mit den Hosts Dominik und Benny geht es um den Nahostkonflikt nach dem 7. Oktober, um Antisemitismus auf deutschen Straßen und um die Frage, warum sich so wenige Muslime öffentlich zu Israel äußern. Mansour selbst lebt nach eigenen Angaben seit 2015 unter Personenschutz.

Zwischen den Identitäten

Mansour beschreibt sich als palästinensischer, arabischer und zugleich israelischer sowie deutscher Mensch – und wehrt sich gegen den Zwang zur eindimensionalen Zuordnung. Er verweist auf seine Familie und seine Sozialisation in Israel.

Ich bin alles und ich möchte auch die Jugendliche auch in Deutschland, die natürlich mit Migrationshintergrund aus unterschiedlichen Ländern unterschiedliche Erziehungsgenossen haben.

In einem Tweet hatte er sich zuvor direkt an „Liebe Palästinenserinnen und Palästinenser" gewandt und für eine „Ära des Friedens" geworben. Er befürwortet eine Zweistaatenlösung – und macht zugleich klar, dass mit der Hamas kein Frieden möglich sei.

Antisemitismus ist „herkunftsübergreifend"

Beim Thema Antisemitismus warnt Mansour vor einer verengten Sicht. Man dürfe weder den importierten noch den rechten oder linken Antisemitismus ausblenden.

Antisemitismus ist herkunftsübergreifend, man findet ihn im Links, im Rechts, in der Mitte der Gesellschaft, man findet ihn subtil und mal sichtbar, man findet ihn aber auch unter Muslime.

Er kritisiert, dass jede Gruppe stets nur „den Antisemitismus der anderen" sehe – Rechte nicht ihren eigenen, Muslime ihn eher in der Mehrheitsgesellschaft, Linke gar nicht bei sich. Als Maßnahmen nennt er Bildung, Wertevermittlung, das Nicht-Tolerieren von Parallelgesellschaften und, als letztes Mittel, Abschiebung.

Warum viele schweigen

Auf die Frage, warum man so wenig von gemäßigten Muslimen höre, verweist Mansour auf Angst und Einschüchterung – auch mit Blick auf seine eigene Situation seit dem 7. Oktober.

Was ich seit dem 7. Oktober erlebe, ist eine neue Stufe. Das ist eine neue Qualität, das das Übertoppt alles was ich bis jetzt weiß oder erlebt habe.

Zugleich beschreibt er die sozialen Medien als zentrales Schlachtfeld: Über Tik Tok und Instagram werde eine einseitige Erzählung verbreitet, Fake News und bearbeitete Bilder sollten Wut erzeugen und Menschen auf die Straße bringen. Seine Forderung: eine „massive Demokratieoffensive in den sozialen Medien" und Medienkompetenz als Pflichtfach in den Schulen. Auch die Deutsche Islamkonferenz kritisiert er als „Wohlfühlveranstaltung", die die Mehrheit der Muslime nicht repräsentiere.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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