Frauke Petry über Wählerunzufriedenheit: „Lasst mich einfach in Frieden“
Im „based.“-Podcast erklärt die frühere AfD-Sprecherin, warum sich viele Bürger von den etablierten Parteien abwenden – und warum sie eine neue politische Kraft erwartet.
Warum sind die Wähler unzufrieden? Über diese Frage spricht die frühere AfD-Bundessprecherin Frauke Petry in Folge 26 des Podcasts „based.“ mit den Hosts Dominik und Benny. Petry, die von Juli 2015 bis zu ihrem Austritt im September 2017 Parteisprecherin des AfD-Bundesvorstands war, ordnet den Erfolg von Oppositions- und Protestparteien ein und wirft dabei einen Blick auf mögliche Koalitionen nach der nächsten Bundestagswahl.
„Der Normalzustand“: Wähler und ihre Distanz zur Politik
Petry beschreibt die geringe Beteiligung der Bürger am politischen Betrieb ausdrücklich nicht als Kritik, sondern als Ausgangslage, die Politiker unterschätzten. Die meisten Menschen seien mit Beruf, Familie und Hobbys ausgefüllt.
Viele Bürger konsumieren Politik nur an der Oberfläche und ich mein das ausdrücklich nicht als Kritik, sondern ich halte das für den Normalzustand, den ich auch gar nicht ändern möchte.
Daraus leitet Petry eine Forderung nach mehr Fachwissen in den Parlamenten ab. Zugleich verteidigt sie den Begriff des Populismus als bloßes Stilmittel und nennt dafür Beispiele aus mehreren Parteien.
Jeder, der den Bürgern aufs Maul schaut und das sagt, was sie hören wollen, ihnen eine politische Projektionsfläche bietet, mit ihren Wünschen und Erwartungen, ist ein Populist, und daran ist nichts Schlimmes.
Ausgrenzung als Motor der Unzufriedenheit
Ein zentrales Motiv für die wachsende Distanz sieht Petry in einem Gefühl, das der Staat sich zu sehr ins Privatleben einmische – von Ernährung über Heizung bis zur Sprache. Diese „Schnauze voll“-Haltung, gerade im Osten, hält sie für einen gesunden Abwehrmechanismus. Zudem verweist sie auf die Wirkung von Ausgrenzungserfahrungen, etwa in der Corona-Debatte, die Berührungsängste mit der AfD sinken ließen.
Der Osten und die Zukunft der Parteien
Petry, Jahrgang 1975 und in der DDR aufgewachsen, widerspricht der Vorstellung, der Osten sei besonders anfällig für Extremismus. Die schlimmsten Extremisten der AfD seien fast ausschließlich im Westen geboren. Extremismus gebe es im gesamten Spektrum – „von links und von rechts“, beide seien „gleichermaßen gefährlich“.
Mit Blick auf die nächste Bundestagswahl hält sie eine große Koalition für das wahrscheinlichste Szenario und eine Zusammenarbeit von CDU und AfD für „nahezu ausgeschlossen“. Zugleich rechnet sie mit dem Ende der FDP und dem Entstehen einer neuen politischen Kraft. Ihren eigenen Kompass fasst Petry so zusammen:
Im Zweifel für die Freiheit, im Zweifel für die Selbstbestimmung und im Zweifel gegen staatliche Regulierung.
Ob sie selbst dabei eine Rolle spielt, lässt Petry offen. Die Hosts kündigen an, 2025 auf ihre Prognosen zurückzukommen.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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