Folge #25 · Zu Gast: Julia Ruhs

Julia Ruhs über Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

BR-Journalistin Julia Ruhs spricht bei based. über den Shitstorm nach ihrem Tagesthemen-Kommentar, die Debattenkultur und die Lage der Ampel.

3. Dezember 2023 · based. Podcast
Julia Ruhs über Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk

Julia Ruhs, trimediale Reporterin beim Bayerischen Rundfunk und neue Focus-Kolumnistin, hatte in den Tagesthemen die geplante Beschleunigung von Abschiebungen gelobt. Es folgte ein Shitstorm mit Millionen Impressions. Im based.-Gespräch schildert sie ihre Erfahrung mit der Debattenkultur und wie sich Reaktionen im Sekundentakt über ihre Kanäle ergossen.

ich find schon erstaunlich, wie schnell man abgestempelt wird als als Nazi oder als als rechtsradikal.

Sie kritisiert, dass manche Menschen nur ein enges Meinungsspektrum akzeptierten und alles andere diskreditierten. Dass ihre Position auch von der AfD vertreten werde, mache sie nicht falsch.

wenn die AFD mal was sinnvolles formuliert, dann kann es ja trotzdem richtig sein

Meinungsvielfalt im ÖRR

Ruhs berichtet von viel Zuspruch dafür, dass im öffentlich-rechtlichen Rundfunk auch eine konservative Meinung vorkomme. Sie unterscheidet zwischen dem linearen Programm und Social-Media-Formaten und sieht bei letzteren, etwa bei Funk, eine Tendenz zu bestimmten Zielgruppen und Themen sowie einen häufigeren Haltungsjournalismus. Zugleich betont sie den Auftrag, viele Menschen zu erreichen.

es ist wichtig, dass wir die Leute erreichen, die, die gerade einen ziemlichen Hals auf den öffentlich rechtlichen haben

Die Lage der Ampel

Neuwahlen, wie sie Markus Söder fordert, lehnt Ruhs ab – auch mit Blick auf die starke AfD. Einen Austritt der FDP aus der Koalition hält sie für riskant und wenig erfolgversprechend; die Partei solle ihre Regierungsverantwortung tragen. Beim Streit auf dem Grünen-Parteitag begrüßt sie rebellische Jugendorganisationen. Grundsätzlich sieht sie ein Dilemma: Auf der bürgerlichen Seite gebe es kaum Mehrheiten ohne die AfD, weshalb die Union mit linkeren Partnern koalieren müsse, was wiederum Wähler enttäusche. Von einer Koalition mit der AfD rät sie derzeit ab, verweist aber auf die schwierige Lage der Brandmauer und die Frage, wie lange sie zu halten sei.

Den Rückhalt ihres Senders schildert Ruhs als gegeben – der Kommentar sei ihr schließlich angetragen worden. Geärgert habe sie vor allem, dass sich einige öffentlich-rechtliche Kolleginnen und Kollegen abwertend geäußert hätten, etwa über ihre noch nicht ausgebildete Stimme. Die Debattenkultur beim Migrationsthema hält sie für problematisch: Es sei erstaunlich, wie schnell relativierende Nazi-Vergleiche fielen, und sie verweist darauf, dass es auch unmenschlich sei, mehr Menschen aufzunehmen, als man anständig versorgen könne.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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