Julia Ruhs über den ÖRR: „Rassismus ist keine Meinung“ – und ein Shitstorm nach 90 Sekunden Tagesthemen
Die BR-Reporterin und Fokus-Kolumnistin spricht im Podcast „based.“ über einen Kommentar, der einen heftigen Widerhall auslöste – und über die Frage, ob Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelingt.
In Folge 25 des Podcasts „based.“ war die trimediale BR-Reporterin und Fokus-Kolumnistin Julia Ruhs zu Gast. Neben der Lage der Ampelkoalition ging es vor allem um einen von ihr eingesprochenen Kommentar in den Tagesthemen, in dem sie die geplante Beschleunigung von Abschiebeprozessen lobte – und um den Shitstorm, der darauf folgte. Der Post erreichte laut Podcast rund vier Millionen Impressions.
Der Shitstorm und die Debattenkultur
Ruhs schildert, wie die Reaktionen über sie hereinbrachen, und ordnet ein, wie schnell in solchen Debatten harte Etiketten verteilt werden. Besonders die Nazi-Vergleiche empfindet sie als problematisch:
„Ich finde es teilweise wirklich lächerlich und glaube, dass es unserem ja, unserem Land oder der Demokratie auch nichts Gutes tut, weil wir lernen, andere Meinungen zu akzeptieren.“
Sie kritisiert, dass manche nur ein sehr enges Meinungsspektrum als akzeptabel ansähen. Zugleich betont sie, dass beim Migrationsthema auch andere Härten benannt werden müssten – etwa überfüllte Unterkünfte.
Konservative Stimmen im ÖRR
Auf die Frage, ob es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk an bürgerlichen oder konservativen Stimmen mangele, verweist Ruhs auf die Rückmeldungen, die sie erhielt. Kritik richtet sie dabei vor allem an die Social-Media-Angebote:
„Da geht es halt sehr viel um diese LGBTIQ Themen zum Beispiel oder um Klimaschutz, weil das Halt klickt.“
Man müsse aufpassen, es damit nicht zu übertreiben, weil das die Menschen nerve oder gegen den ÖRR aufbringe. Zwischen den linearen Programmen und den Online-Formaten sieht sie einen deutlichen Unterschied.
Warum sie am öffentlich-rechtlichen Rundfunk festhält
Trotz der Kritik verteidigt Ruhs das Konstrukt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie beruft sich dabei auf eine Idealvorstellung von Meinungsvielfalt in den Redaktionen – auch wenn diese nicht immer eingelöst werde:
„Es ist für mich der beste Weg, um zu versuchen, die gesamte Gesellschaft zu erreichen.“
Als Beispiel nennt sie ihre Arbeit in der Redaktion Landespolitik beim Bayerischen Rundfunk: Bei Plenarsitzungen im Landtag bleibe stets jemand bis zum Ende – auch nach Mitternacht. Diese Grundversorgung könnten Verlage, die auf Verkaufszahlen und Klicks achten müssten, so nicht leisten.
Die Podcast-Hosts widersprechen an mehreren Stellen und werben für eine Privatisierung, würdigen aber die Tagesschau als „Flaggschiff“. Ruhs selbst räumt ein, dass sie den Frust vieler Beitragszahler nachvollziehen könne – und freut sich zugleich über Zuspruch von Menschen, die durch ihren Kommentar wieder „gerne die Rundfunkbeiträge zahlen“.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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