Alexander Kissler über Antisemitismus, Migration und Selbsthass des Westens
Der NZZ-Redakteur ordnet den Antisemitismus auf deutschen Straßen ein und spricht über importierten Judenhass und studentische Milieus.
Alexander Kissler, Redakteur im Berliner Büro der Neuen Zürcher Zeitung, war bei based. zu Gast, um über Antisemitismus in Deutschland zu sprechen. Ausgangspunkt sind Szenen auf deutschen Straßen nach dem Terrorangriff der Hamas, etwa in der Berliner Sonnenallee.
Importierter Antisemitismus
Kissler bejaht die Frage nach einem importierten Antisemitismus. Neben dem, was er als heimischen Judenhass bezeichnet, sieht er eine zusätzliche Entwicklung:
wir haben natürlich ein Aufschwappen eines Migrantisch, genauer gesagt muslimisch arabisch geprägten Antisemitismus im Zuge der Migration
Er kritisiert, dass sich viele mit Parallelgesellschaften arrangiert und Toleranz mit Desinteresse verwechselt hätten. Zur Migrationspolitik verweist er auf das individuelle Asylrecht, auf sogenannte Pull-Faktoren und auf die aus seiner Sicht erreichten Aufnahmekapazitäten.
Selbsthass des Westens
Ein Video mit dem Ruf "Free Palestine from German Guilt", das Göttinger Studierenden zugeschrieben wurde, deutet Kissler als Ausdruck eines westlichen Selbsthasses:
ich sehe hier wirklich den Selbsthass des Westens am Werk
Israel sei aus seiner Sicht die einzige wirklich westliche Macht im Nahen Osten und werde deshalb zum Feindbild. Zugleich erkennt er in der Ablehnung des Westens eine Überschneidung von links und rechts und verteidigt die "Hufeisentheorie".
Kritik an Selbstzuschreibungen
Kissler wendet sich dagegen, dass ein Teil des politischen Spektrums sich für grundsätzlich außerhalb der Kritik erkläre:
Es gibt unfassbar dumme. Linke wie es unfassbar dumme Rechte gibt, so sind die Leute halt.
Auch die Rolle von Greta Thunberg und der Bewegung Fridays for Future ordnet er kritisch ein und plädiert dafür, soziale Bewegungen und ihre Welterklärungsansprüche mit Realismus zu betrachten.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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