Folge #130 · Zu Gast: Hanno Sauer

Ist Ungleichheit unausweichlich, Hanno Sauer?

Der Philosoph Hanno Sauer erklärt, warum Klassen keineswegs verschwunden sind – und warum er skeptisch bleibt, ob Politik daran je etwas ändern kann.

29. Juni 2026 · based. Podcast
Ist Ungleichheit unausweichlich, Hanno Sauer?

Über Jahrzehnte war der Klassenkampf gegen die Bourgeoisie das politische Fundament der Linken. Doch heute sprechen viele Linke lieber über Identität, Herkunft und Sprache. Bedeutet das, dass es Klassen gar nicht mehr gibt? In Folge 130 des Podcasts based. widerspricht der Philosoph Hanno Sauer dieser Vermutung deutlich: Klassen sind gerade nicht verschwunden. Am Mikrofon diskutieren Benjamin Scherp und Jan Feddersen mit ihrem Gast darüber, wie sich Ungleichheit heute zeigt – und ob sie sich überhaupt überwinden lässt.

Klasse ist mehr als Geld

Für Sauer lässt sich Klasse nicht allein am Einkommen festmachen. Neben Geld seien es vor allem Sprache, Status und kulturelle Zugehörigkeit, an denen sich Klassen ablesen lassen. Wer die richtigen Codes kennt, gehört dazu – wer sie nicht beherrscht, bleibt außen vor.

Konkret heißt das: Zugang zu Institutionen wie Universitäten, Medien oder Politik ergibt sich nicht nur über finanzielle Ressourcen, sondern über das feine Gespür für kulturelle Codes. Diese Perspektive verschiebt die Debatte weg vom reinen Blick auf Vermögen und hin zu den weniger sichtbaren Formen der Zugehörigkeit und Ausgrenzung.

Warum Klassen so hartnäckig fortbestehen

Ein zentraler Punkt in Sauers Argumentation ist die Langlebigkeit dieser Unterschiede. Klassenunterschiede, so seine These, überdauern Jahrhunderte. Sie verschwinden nicht einfach mit dem gesellschaftlichen Wandel oder mit veränderten Debatten über Identität und Herkunft.

Damit stellt sich die Frage, ob die heutige Verlagerung des Diskurses – von der Klasse hin zu Identität, Herkunft und Sprache – den Blick auf tiefer liegende Ungleichheiten eher verstellt als schärft. Sauer legt nahe, dass die Kategorie Klasse ihre Erklärungskraft keineswegs verloren hat, auch wenn sie in der öffentlichen Debatte an Bedeutung eingebüßt zu haben scheint.

Kann Politik überhaupt etwas ändern?

Bleibt die vielleicht unbequemste Frage: Lässt sich diese Ungleichheit politisch auflösen? Hier gibt sich Sauer skeptisch. Ob Politik an den beschriebenen Klassenunterschieden jemals etwas ändern könnte, ist für ihn keineswegs ausgemacht.

Genau an diesem Punkt entzündet sich das Gespräch der Folge: Ist Ungleichheit ein Zustand, den wir gestalten können – oder eine hartnäckige Konstante menschlicher Gesellschaften? Die Diskussion mit Benjamin Scherp und Jan Feddersen lotet aus, was von der klassischen Klassenanalyse heute bleibt und welche Rolle Sprache, Status und kulturelle Zugehörigkeit dabei spielen. Wer sich vertiefen möchte, findet weiterführende Gedanken im Buch von Hanno Sauer.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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