Folge #125 · Zu Gast: Mathias Brodkorb

„Es kann nicht jeder Professor werden“: Warum Mathias Brodkorb mehr Geld für Bildung ablehnt

Der ehemalige Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern über einen angeblichen „Gleichheitswahn“, sinkende Leistungsniveaus und seine Kritik am Aufstiegsversprechen.

25. Mai 2026 · based. Podcast
„Es kann nicht jeder Professor werden“: Warum Mathias Brodkorb mehr Geld für Bildung ablehnt

Fast alle politischen Lager fordern mehr Geld für Bildung – Mathias Brodkorb widerspricht. Der ehemalige SPD-Bildungsminister von Mecklenburg-Vorpommern und Cicero-Kolumnist war zum dritten Mal zu Gast im Podcast based. und stellte sein gemeinsam mit dem Bildungsforscher Klaus Zierer geschriebenes Buch „Tyrannei der Gleichheit“ vor. Seine These: Nicht zu wenig Geld, sondern ein Streben nach Gleichheit sorge im deutschen Bildungssystem für Probleme.

Leistung gegen Gleichheit

Brodkorb bezieht sich auf die PISA-Studien, die seit dem Jahr 2000 zwei Ziele gleichzeitig verfolgt hätten: höhere Leistung und mehr Gleichheit. Genau das sei aber kaum vereinbar. Wenn man zwei unterschiedlich starke Schüler aneinander annähern wolle, gebe es nur zwei Wege – der Schwächere lernt dazu oder der Bessere wird schlechter.

„Es ist auch vollkommen logisch, dass das Niveau sinken muss, es ist so ein klassischer Fall dafür, dass man das Leistungsniveau anpasst, um auf die Art und Weise mehr Gleichheit herzustellen.“

Als Beispiel nennt er den Plan in Niedersachsen, die schriftliche Division in der Grundschule abzuschaffen. Er verweist zudem auf natürliche Unterschiede: „Nach allem was man im Moment weiß, gibt es natürliche Unterschiede der Intelligenz und der Witz an der ganzen Sache ist sogar Pisa arbeitet damit.“

Kritik am Aufstiegsversprechen

Ein zentraler Punkt des Gesprächs war das Aufstiegsversprechen und der Begriff der Chancengleichheit. Brodkorb unterscheidet zwischen Chancengleichheit und Chancengerechtigkeit und kritisiert die vorherrschende Vorstellung, dass jeder alles erreichen könne.

„Aber jeder soll die Chance haben, Professor werden zu können. Und der Staat soll dafür Sorge tragen, dass das möglich wird. Und alle wundern sich, warum es seit inzwischen 100 Jahren nicht funktioniert.“

Zugleich betont er, seine Thesen richteten sich an die Politik, nicht an Lehrer, die weiter an jedes Kind glauben müssten. Für Kinder mit Migrationsgeschichte sieht er weiter Aufstiegspotenzial, während sich bei den langansässigen Familien nach über 100 Jahren Bildungsaufstieg eine neue soziale Schichtung ergeben habe.

Warum weniger Geld?

Überraschend deutlich fällt Brodkorbs Ablehnung höherer Bildungsausgaben aus. Als Minister habe ihm Geld nie gefehlt, es sei ihm nie gelungen, es vollständig auszugeben. Wer mehr Geld fordere, sei in fast allen Fällen ein Indikator dafür, dass diese Person „entweder selbst keine guten Ideen hat“ oder nicht wisse, worauf es ankomme. Stattdessen plädiert er für eine grundlegend andere Lehrerbildung – mit Eignungsprüfungen und dualem Studium – sowie dafür, das eigentliche Problem zuerst zu benennen. Sein Fazit zur Lösung bleibt bescheiden: Man könne den Leuten keinen Chip implantieren, es bleibe nur der Weg über Debatte und Diskussion.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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