Folge #123 · Zu Gast: Roderich Kiesewetter

Kiesewetter warnt: „Wenn wir nie wieder Krieg wollen, dürfen wir nie wieder wehrlos sein"

Der CDU-Politiker und Ex-Oberst Roderich Kiesewetter spricht im Podcast „based." über Deutschlands Rolle in der Welt, die Gefahr eines russischen Angriffs auf ein NATO-Land und die Frage, was Wehrhaftigkeit heute bedeutet.

11. Mai 2026 · based. Podcast
Kiesewetter warnt: „Wenn wir nie wieder Krieg wollen, dürfen wir nie wieder wehrlos sein"

Roderich Kiesewetter, CDU-Bundestagsabgeordneter und früherer Oberst der Bundeswehr, war im Podcast „based." zu Gast, um über sein neues Buch „Was wollen wir, was können wir" und Deutschlands Rolle in der globalen Machtverschiebung zu sprechen. Kiesewetter, der eigenen Angaben zufolge bereits im Januar 2022 öffentlich vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gewarnt hatte, sieht die Gefahr, dass Russland in den kommenden Jahren ein NATO-Land angreifen könnte. Seine Grundüberzeugung: Frieden lässt sich nur durch Wehrhaftigkeit sichern.

„Weder rot noch tot"

Auf die Frage, ob es nachvollziehbar sei, im Zweifel lieber unter russischer Herrschaft weiterzuleben als zu kämpfen, verweist Kiesewetter auf frühere Debatten. Den Slogan „lieber rot als tot" der 70er- und 80er-Jahre hält er für falsch – und stellt ihm eine dritte Option gegenüber.

Es gibt eine Alternative, das ist Frieden in Freiheit und Selbstbestimmung. Und dazu gehört eben auch, dass wir, wenn wir nie wieder Krieg wollen, wir nie wieder wehrlos sein dürfen.

Wehrhaftigkeit heiße dabei nicht, dass jeder zur Bundeswehr müsse. Kiesewetter plädiert für eine baldige Wehrpflicht und einen breit ausgestalteten Zivildienst in Bevölkerungsschutz, Pflege und Integration.

Ein Wettbewerb der Rüstungsansätze

Kiesewetter beschreibt den Krieg in der Ukraine auch als Testfeld, auf dem Russland neue Fähigkeiten erprobe. Er sieht einen Wettlauf um militärische Innovation, bei dem Deutschland ins Hintertreffen gerate.

Und wir sehen gerade einen Wettbewerb unterschiedlicher Rüstungsansätze Russland investiert ungeheuer viel in Modernisierung der elektronischen Kriegsführung. Wo wir uns überhaupt nicht gut gegen wehren können.

Krieg sei dabei mehr als die militärische Auseinandersetzung – Kiesewetter nennt Sabotageakte, Drohnenüberflüge und „kognitive Kriegsführung". Er selbst sei nach eigener Aussage Ziel geworden: „Ich stehe auf einer Liste Russlands, die geheim eingestuft ist als einer der gefährlichsten deutschen Politiker zusammen mit Pistorius und Strack Zimmermann."

Vertrauen der Bevölkerung – und Kritik am eigenen Lager

Aus zahlreichen Bürgerveranstaltungen zieht Kiesewetter den Schluss, dass die Bevölkerung Debatten oft weiter sei als die Politik vermute. Er kritisiert, im Wahlkampf sei den Menschen zu wenig zugetraut worden.

die Bevölkerung ist viel weiter, wir können auf eine Bevölkerung bauen, die Mitdenkt, die aber auch Zumutungen erwartet, lieber eher als zu spät, weil sie dann das Vertrauen in die Politik verliert.

Mit Blick auf das Schuldenpaket und seine eigene Rolle in der Union betont Kiesewetter, ihm gehe es nicht um Posten, sondern um Gestaltung. Deutschland müsse ein verlässlicher Partner in der Nachbarschaft werden und – angesichts einer für ihn unberechenbaren US-Politik – gemeinsam mit europäischen Partnern stärker für die eigene Sicherheit sorgen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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