„Rechts gilt als böse, Links gilt als gut“ – Historiker Peter Hoeres über ein folgenreiches Schema
Im „based.“-Podcast erklärt der Würzburger Geschichtsprofessor, warum eine Demokratie beide Pole braucht – und warum er den Vergleich der AfD mit 1933 zurückweist.
Warum teilen wir Politik so selbstverständlich in „rechts“ und „links“ ein – und warum haftet dem einen Pol etwas Gutes, dem anderen etwas Böses an? Darüber sprechen die Hosts von based. mit Peter Hoeres, Professor für neueste Geschichte an der Universität Würzburg und Autor eines Essays zu genau dieser Unterscheidung. Hoeres verortet die Ordnung historisch in der Französischen Revolution und betont, das Schema sei bis heute weltweit als erste politische Orientierung wirksam.
„Rechts gilt als böse, Links gilt als gut“
Für Hoeres ist die Existenz eines Spektrums selbst ein Merkmal der Demokratie. Werde es aufgehoben, verschwinde die Vielfalt politischer Optionen.
„diese rechts und linksorientierung ist eben auch n Kennzeichen von Demokratie ne und wenn die wie im wie in der DDR oder im Nationalsozialismus oder im Stalinismus aufgehoben wird, dann hat man eben kein Spektrum mehr.“
Zugleich beobachtet er eine feste Wertung der Begriffe. Diese Fixierung erschwere aus seiner Sicht eine nüchterne historische Einordnung.
Nationalsozialismus: keine „Entschuldigung“, sondern das Gegenteil
Besonders umstritten ist die Frage nach der Einordnung des Nationalsozialismus. Hoeres argumentiert, gerade eine differenzierte Betrachtung verharmlose nichts, sondern zeige die breite Anschlussfähigkeit der NSDAP.
„es ist eigentlich macht das, das ist das Gegenteil der Fall, weil es gerade zeigt, dass die Nazis ne Catch all Party waren, die haben aus allen Bereichen sich was genommen und waren deswegen anschlussfähig eben für ganz ganz viele Gruppen der Bevölkerung“
Er verweist auf sozialistische Elemente in der NS-Politik, etwa den Reichskommissar für Preispolitik 1936, betont aber ausdrücklich, er wolle Nationalsozialisten nicht mit Kommunisten oder Sozialisten gleichsetzen.
AfD und der Vergleich mit 1933
Auf die Frage, ob der Erfolg der AfD an die frühen 1930er Jahre erinnere, antwortet Hoeres zurückhaltend. Die Partei ähnele eher anderen rechtspopulistischen Kräften in Europa und den USA. Straßengewalt wie bei der SA und einen Führerkult sehe er nicht; der Nationalismus der AfD sei defensiv auf Abwehr von Migration gerichtet, während die NSDAP von Anfang an offensiv auf Lebensraum und Krieg gesetzt habe. Sein Fazit fällt klar aus:
„der Faschismus und Nationalsozialismus ist untergegangen 45 zurecht und es wird. Mehr wird so nicht mehr kommen.“
Kritisch äußert sich Hoeres auch zur Parole vom „Kampf gegen rechts“, die er als undifferenziert ablehnt, sowie zur „Brandmauer“, für die er im internationalen Vergleich keine Entsprechung in dieser Form findet. Er plädiert dafür, „bürgerlich rechts“ oder „Mitte rechts“ als legitimen Bestandteil der Demokratie anzuerkennen, ohne damit Zustimmung auszudrücken – Grenzen zieht er beim Bruch von Spielregeln, bei Gewalt und bei hasserfüllten Äußerungen. Am Ende wirbt der Historiker für verbale Abrüstung und Gespräche über Milieugrenzen hinweg: „Man infiziert sich nicht, wenn man sich mit anderen Meinungen umgibt.“
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
← Alle Folgen