Anna Schneider: Wieso liebst du die Freiheit?
Die Welt-Journalistin über ihren Liberalismus, Klimapolitik und ihre Kritik an Identitätspolitik.
In der 12. Folge von „based.“ ist Anna Schneider zu Gast, Chefreporterin bei der Welt. Der Titel „Chefreporterin Freiheit“ sei ursprünglich ein Running Gag gewesen, passe aber gut zu ihrem Schwerpunkt. In ihrem Buch „Freiheit beginnt beim Ich“ bekennt sie sich zum Liberalismus.
Brutalliberal und libertin
Schneider spielt mit Begriffen. Zu „libertin“ sagt sie:
Ich find libertin ist eigentlich nur ein total sexy Wort.
Ihren eigenen Standpunkt beschreibt sie lieber als „brutalliberal“:
brutalliberal demgegenüber bedeutet ja nur eine Verstärkung des Wortes liberal
Zusammensetzungen wie „linksliberal“ lehnt sie ab – man sei entweder links oder liberal. Liberal-Sein sei für sie weniger eine Parteizugehörigkeit als ein Persönlichkeitszug.
Klimapolitik und „System Change“
Eine Klimadiktatur fürchtet Schneider nicht, wohl aber den Anspruch mancher Aktivisten auf einen „System Change“, der auf die Abschaffung des Kapitalismus hinauslaufe. Sie setzt eher auf Marktinstrumente wie den CO2-Emissionshandel und kritisiert den deutschen Atomausstieg als Ausstieg aus einer seriösen Klimadebatte. Auch die mediale Schieflage – viel Raum für Aktivistinnen wie Luisa Neubauer, wenig für nüchterne Wissenschaft – sieht sie kritisch.
Gender Studies und Identitätspolitik
Schneider berichtet von ihrem journalistischen Selbstversuch, ein Semester Gender Studies zu studieren, und beschreibt eine beklemmende Atmosphäre, in der Widerspruch kaum vorkam. Ihre Kritik richtet sich weniger gegen das Gendern selbst als gegen die dahinterstehende Ideologie. Identitätspolitik lehnt sie ab:
Weil ich finde, dass das nichts mit Individualismus zu tun hat, sondern im Gegenteil ganz komischer Kollektivismus ist.
Gefühle seien unanfechtbar und deshalb einer Debatte nie zuträglich – das gelte für die Gender- ebenso wie für die Klimadebatte.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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