Julian Reichelt über „Nius“: „Ich nenne es mediale Befreiungsbewegung“
Im „based.“-Podcast spricht der Medienmacher über seinen Anspruch, die AfD-Kritik seiner Redaktion und den Vorwurf des Rechtspopulismus.
Julian Reichelt, Chefredakteur von „Nius“, war zu Gast beim Politik-Podcast „based.“. Im Gespräch verteidigte er sein Medienprojekt gegen den Vorwurf, Politik zu betreiben statt Journalismus, ordnete seinen Umgang mit der AfD ein und begründete, warum er sein Angebot als „Bewegung“ versteht.
Medium oder Bewegung?
Auf die Frage, ob sich der Begriff „Bewegung“ mit journalistischer Arbeit vereinbaren lasse, grenzte Reichelt ab, dass „Nius“ keine politischen Ziele verfolge, sondern eine breitere Medienvielfalt anstrebe.
Ich nenne es mediale Befreiungsbewegung und um da ne klare Trennlinie zu ziehen. Diese Bewegung verfolgt ja keine politischen Ziele.
Den Vorwurf des Rechtspopulismus wies er zurück und sprach von „linken Kampfbegriffen“, die er nicht übernehmen wolle. Zugleich räumte er ein, dass „Nius“ populär und emotional erzähle – und zog eine Grenze zwischen „populär“ und „Populismus“.
Der Umgang mit der AfD
Reichelt erklärte, warum seine Redaktion die AfD strukturell weniger kritisiere als die Regierungsparteien. Als Begründung nannte er die Rollenverteilung zwischen Regierung und Opposition.
So machen wir die AFD heute groß, würde ich sagen, unter gar keinen Umständen, das ist nicht unsere Aufgabe. Warum kritisieren wir die AFD strukturell weniger als zum Beispiel die CDU und die SPD, ganz einfach, CDU und SPD sind die Regierung. Und die AFD ist die Opposition.
Rückblickend auf seine Zeit als „Bild“-Chefredakteur, als kaum mit AfD-Politikern gesprochen wurde, sagte er, es sei „einfach n Fehler“ gewesen, die damalige Repräsentanz der Partei nicht früher medial abzubilden. Zugleich kritisierte er den aus seiner Sicht wachsenden Kollektivismus auf beiden politischen Seiten.
Der deutsche Kollektivismus herrscht links wie rechts und ist ein schreckliches Phänomen.
Streit in der Redaktion
Reichelt beschrieb „Nius“ als deutlich streitlustiger als seine frühere Redaktion und betonte, dass es intern keineswegs einheitliche Positionen gebe – etwa beim Blick auf Donald Trump.
Zum Vorwurf einer fehlenden Trennung von Bericht und Meinung sagte er, das Sendungsformat „Newslife“ sei erkennbar ein meinungsgetriebener Nachrichtentalk. Zum Abschluss formulierte er ein Markenversprechen, das auch für eine mögliche AfD-Regierung gelten solle: Niemand kritisiere Politik „ausschließlich auf Basis ihrer eigenen Aussagen und Versprechungen, so hart und so leidenschaftlich wie News“.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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