„Männer können sich aber entscheiden, nicht Täter zu werden“ – Jenni Zylka über den Fall Ulmen/Fernandes
Kulturjournalistin und Berlinale-Kuratorin Jenni Zylka spricht im Podcast „based.“ über Unschuldsvermutung, Opferschutz und die Rolle der Frau im Film.
Der Fall rund um die Schauspielerin Collien Fernandes und ihren Ex-Mann Christian Ulmen beschäftigt derzeit die Öffentlichkeit. Der Spiegel hatte über Vorwürfe berichtet, wonach der Ex-Partner Fake-Profile mit ihrer Identität erstellt und pornografische Darstellungen verschickt haben soll. Im Podcast „based.“ ordnet die Kultur- und Filmjournalistin Jenni Zylka die Debatte ein – und betont mehrfach, dass es sich bislang um Vorwürfe handelt.
Unschuldsvermutung und Rechtsstaat
Zur Frage, wie man mit medialer Berichterstattung und noch ungeklärten Vorwürfen umgehen soll, verweist Zylka auf das Vertrauen in gerichtliche Aufklärung. Persönliche Überzeugungen dürften dabei keine Rolle spielen.
Also entweder glaubt man daran, dass wir einen Rechtsstaat haben, der funktioniert, oder man sagt, das ist ja alles totaler Blödsinn.
Sie warnt zugleich vor Vorverurteilung: Man müsse sich danach richten, was Gerichte oder gründliche Recherchen ergeben. Besonders schwierig sei die Beweislage im Sexualstrafrecht, weil Betroffene oft die einzigen Zeuginnen seien.
Opfer und Täter
Ein zentrales Argument Zylkas dreht sich um den Unterschied zwischen der Position von Betroffenen und der von möglichen Tätern. Während man sich nicht aussuchen könne, ob man zum Opfer werde, sei Täterschaft eine Entscheidung.
man kann sich nicht entscheiden Opfer zu werden, man kann sich nicht entscheiden, nicht Opfer zu werden, ne, wenn jemand will, bin ich ein Opfer
Zylka stellt klar, dass es bei virtueller Gewalt nicht um Sexualität, sondern um Macht gehe. Eine virtuelle Vergewaltigung sei zwar etwas anderes als eine körperliche, komme aber „aus derselben Notion“. Zu pauschalem Männerhass, wie ihn manche viral gegangene Kommentare transportierten, positioniert sie sich deutlich ablehnend.
ich möchte nicht ohne Männer leben, irgendwie also absolut nicht
Blick auf Film und Prävention
Als Berlinale-Kuratorin ordnet Zylka die Debatte auch kulturhistorisch ein. In ihrem Buch über Marilyn Monroe analysiert sie unter anderem eine berühmte Szene aus „Das verflixte siebte Jahr“ als Beispiel für nicht-konsensuelles Handeln. Beim Thema Prävention verweist sie auf bestehende Angebote und die Bedeutung von Aufklärung – etwa im Bereich Medien- und Pornografiekompetenz. Wichtig sei vor allem, ins Gespräch zu kommen, auch unter Männern. Zugleich betont sie die Grenzen ihrer eigenen Einschätzungen und spricht wiederholt von Spekulation und „küchenpsychologischen“ Überlegungen. Konkrete Lösungen, etwa zur Klarnamenpflicht, überlässt sie ausdrücklich Fachleuten.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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