„Kann es einen friedlichen Islam geben?“ – Hasnain Kazim über Kritik, Herkunft und liberale Demokratie
Der Autor Hasnain Kazim spricht bei „based.“ über sein Buch „Der Islam und ich“, den Vorwurf, zu islamkritisch zu sein, und die Frage, ob sich der Islam in eine liberale Demokratie einfügen kann.
In der Folge #114 des Podcasts „based.“ ist der Autor und ehemalige Spiegel-Korrespondent Hasnain Kazim zu Gast. Anlass ist sein Essay „Der Islam und ich“. Kazim, der selbst aus einer muslimischen Familie stammt und evangelisch erzogen wurde, schildert, warum er sich zwischen den Erwartungshaltungen verschiedener Seiten wiederfindet – und weshalb er dennoch an die Möglichkeit eines demokratisch integrierbaren Islam glaubt.
Der Vorwurf, zu kritisch zu sein
Gleich zu Beginn benennt Kazim, was ihn zum Schreiben bewegt hat: Ihm werde von unterschiedlichen Seiten Kritik entgegengebracht.
Weil mir immer vorgeworfen wird, ich wär viel zu kritisch gegenüber dem Islam. Also es wird mir von Muslimen vorgeworfen und von politisch linker Seite auch eher.
Er verweist dabei auf seine eigene Biografie und seinen differenzierten Blick. Kritik am Islam sei nötig, ohne dabei das Positive auszublenden:
Und so kritisiere ich beim Islam das, was zu kritisieren ist. Das ist zugegebenermaßen eine Menge, sehe aber vieles auch positiv, natürlich, weil ich auch selber wie gesagt Wurzeln dort habe.
Warum Schweigen keine Option sei
Kazim argumentiert im Gespräch, dass fehlende Kritik gefährliche Entwicklungen begünstige. Wer schweige, überlasse das Feld denen, die eine bestimmte, restriktive Auslegung durchsetzen wollten. Konkret nennt er das Beispiel Iran und den Vorwurf der Blasphemie, der Menschen ausschließen und bedrohen könne.
Der Punkt ist aber, wenn es niemand dann kritisiert, dann gewinnen die ja, dann ist ja genau das, was sie wollen.
Er beschreibt, welche Gesellschaft er ablehnt: eine, in der Frauen aus der Öffentlichkeit verschwinden und Menschen in Gläubige und Ungläubige eingeteilt werden. Der Blasphemievorwurf könne im äußersten Fall zur Selbstjustiz führen – „bis hinzu du bist vogelfrei, du kannst umgebracht werden“. Deshalb, so Kazim, müssten gerade liberale Musliminnen und Muslime lauter werden.
Ein friedlicher Islam – möglich?
Auf die titelgebende Frage antwortet Kazim eindeutig: Er sei überzeugt, dass ein Islam, der sich in eine liberale Demokratie einfügt, möglich sei. Viele Muslime lebten längst demokratisch, hielten ihren Glauben aber privat. Diese Gruppe sei aus seiner Sicht sogar in der Mehrheit, nur „viel zu leise“.
Gleichzeitig benennt er konkrete Grenzen: Er lehnt konfessionelle Kindergärten ab und hält ein Kopftuchverbot an Schulen für Mädchen bis 14 Jahre für richtig. Zur Debatte um den sogenannten Bevölkerungsaustausch grenzt er sich ebenso ab wie zu einer aus seiner Sicht „falsch verstandenen Toleranz“ im linken Milieu. Beim Thema Satire plädiert er für Respekt, ohne die Freiheit einzuschränken – man dürfe alles, müsse aber nicht alles tun. Auf die Schlussfrage, ob der Islam zu Deutschland gehöre, verweist er auf die im Grundgesetz verankerte Religionsfreiheit, hält den plakativen Satz aber ebenso für falsch wie seine Verneinung.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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