„Der beste Taktiker seit Jahrzehnten“ – Julius van de Laar über Trumps Strategie
Der Kampagnenberater analysiert im Podcast „based.“, ob hinter Donald Trumps Handeln ein Plan steckt – und warum das für die anstehenden Kongresswahlen entscheidend sein könnte.
Hat Donald Trump eine Strategie, oder handelt er nur eratisch? In Folge 111 des Podcasts „based.“ diskutieren die Hosts diese Frage mit Julius van de Laar, der als Politikberater in den Wahlkämpfen von Barack Obama 2008 und 2012 mitgearbeitet hat. Van de Laar unterscheidet dabei zwischen dem erfolgreichen Wahlkämpfer und dem Regierenden im Weißen Haus.
Strategie oder Taktik?
Für van de Laar liegt Trumps Stärke vor allem im taktischen Bereich – im Beherrschen der medialen Aufmerksamkeit. Ob Trump darüber hinaus einen langfristigen Plan verfolge, lässt der Berater bewusst offen.
Und ich würd immer das Argument machen, Donald Trump ist wahrscheinlich der beste Taktiker, den wir seit Jahrzehnten gesehen haben.
Trumps Wahlkampf beschreibt van de Laar als neues Muster: „Wir werden Flooding the Zone betreiben. Ich werd häufiger vorkommen, ich werd krassere Forderungen stellen, klarer positioniert sein als alle anderen auch und ich glaube das hat schlussendlich dann auch funktioniert zu gewinnen.“ Doch zwischen Kampagne und Regierung liege ein großer Unterschied – und die aktuellen Umfragewerte seien für Trump eine „ordentliche Quittung“.
Kosten, Korruption, Chaos
Gefragt nach der Stimmung im Land, greift van de Laar auf seine Perspektive als früherer Demokraten-Berater zurück. Er skizziert eine mögliche Erzählung für den kommenden Kongresswahlkampf, mit der die Demokraten Trump angreifen könnten.
Aber wenn ich eine Geschichte erzählen würde als jemand der die Demokraten in der Vergangenheit beraten hat, würd ich natürlich sagen es sind im Endeffekt 3 Aspekte. Kosten sind zu hoch.
Dazu kämen aus dieser Perspektive der Vorwurf der Selbstbereicherung sowie das Chaos, das man „überall“ sehe. Zugleich betont der Berater, dass Trumps Basis ihn bei fast allen Themen weiterhin mit rund 85 Prozent Zustimmung stütze – mit Ausnahme des Themas Jeffrey Epstein.
Bündnisse und die Weltordnung
Zum Schluss ordnet van de Laar die außenpolitische Lage ein. Von einer Prognose zur Zukunft der Nato hält er sich bewusst zurück – niemand wisse, wohin sich die Weltordnung bewege. Stattdessen verweist er auf gemeinsame sicherheitspolitische und wirtschaftliche Interessen zwischen Europa und den USA und zitiert Winston Churchill zur Bedeutung von Verbündeten.
Ich glaube, Amerika ist durchaus auch auf Verbündete angewiesen, wenn ich mir die Historie anschaue, dann waren wir zumindest glaube ich, ziemlich verlässliche Bündnispartner.
Trotz aller Spannungen sieht van de Laar „eigentlich keinen Grund, warum man dieses Bündnis komplett auf Eis legen sollte“. Interessengeleitete Außenpolitik funktioniere am Ende oft am besten – und ein enges Verhältnis zu den USA liege im eigenen europäischen Interesse.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
← Alle Folgen