Folge #11 · Zu Gast: Ralf Schuler

Ralf Schuler über Streitkultur, Meinungsfreiheit und Nius

Der frühere BILD-Parlamentschef über seine Kündigung bei Axel Springer, Symbolpolitik und das Medienprojekt Nius.

6. August 2023 · based. Podcast
Ralf Schuler über Streitkultur, Meinungsfreiheit und Nius

Ralf Schuler war von 2013 bis Oktober 2022 Leiter der Parlamentsredaktion der BILD-Zeitung; heute arbeitet er beim Medien-Startup Nius als Politikchef. Bei based. spricht er über die Gründe seiner Kündigung bei Axel Springer und über den Zustand der deutschen Streitkultur. Seine Sozialisation in der DDR, sagt er, präge seine Abneigung gegen jede Form von Gleichschritt bis heute.

Warum er ging

Schuler betont, es gehe ihm nicht um einzelne Bewegungen, sondern grundsätzlich darum, dass sich ein Medienhaus nicht institutionell hinter eine kollektive Bewegung stellen solle – ob LGBTQ-, Gewerkschafts- oder Klimabewegung. Auch staatliche Neutralität sei ihm wichtig, etwa wenn Gerichte oder die Polizei Regenbogenfahnen hissten. Anlass für den Konflikt war ein Gastbeitrag in der „Welt“ und eine anschließende Intervention des Vorstandsvorsitzenden.

Symbolik statt Substanz

Ein Kern seiner Kritik ist die Dominanz des Symbolischen:

es ist viel einfacher, sich irgendwelcher Symbole zu bedienen und damit die Reinheit seiner politischen Seele zu dokumentieren.

Er beschreibt einen Konformitätsdruck, der Menschen dazu bringe, bei Themen wie Migration oder Gender lieber zu schweigen, um sich nicht als „rechts“ abstempeln zu lassen.

Mediale Schieflage

Zur Vertrauenskrise der Medien verweist Schuler auf regelmäßige Umfragen unter Journalisten:

die Meinung leicht links grün verschoben ist

Wenn Mediennutzer den Eindruck hätten, ihnen werde eine Realität geboten, die mit ihrer erlebten nichts zu tun habe, sinke das Vertrauen. Genau diese „Repräsentanzlücke“ wolle Nius mit Interviews, Dokumentationen und Bewegtbild füllen.

Was Journalismus leisten kann

Von „Haltungsjournalismus“ hält Schuler nichts. Journalismus könne Menschen darin bestärken, mit ihren Beobachtungen nicht allein zu sein. Den Vorwurf der Stimmungsmache weist er zurück:

man kann Stimmungen nicht machen, wenn sie nicht da sind

Man könne Stimmungen nur aufnehmen oder verstärken, aber niemandem etwas einreden – eine Überzeugung, die er auch aus seiner Erfahrung mit der Propaganda in der DDR ableitet. Als Beispiel nennt er die Berichterstattung über Krawalle in Freibädern und die Silvesternacht, bei der der migrantische Hintergrund der Beteiligten aus seiner Sicht zu selten benannt werde. Auch die zunehmende Messerkriminalität sei ein gesellschaftlicher Vorgang, den zu verschweigen niemandem helfe.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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