Folge #109 · Zu Gast: Joana Cotar

Joana Cotar: „Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht"

In der 109. Folge von „based." rechnet die ehemalige Bundestagsabgeordnete mit dem politischen System ab – und erklärt, warum sie aus AfD und Parlament ausgestiegen ist.

9. Februar 2026 · based. Podcast
Joana Cotar: „Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht"

Acht Jahre saß Joana Cotar im Deutschen Bundestag, zunächst für die AfD, ab 2022 fraktionslos. In der 109. Episode des Podcasts „based." spricht sie über ihr Buch Inside Bundestag und darüber, wie sie im Parlament das Vertrauen in die Demokratie verloren hat. Ihre zentrale Beobachtung: Nicht die Fachlichkeit, sondern das Netzwerken entscheide über politische Karrieren.

Der Bundestag als „Abnickparlament"

Cotar beschreibt, wie sie voller Tatendrang in die Politik ging und schnell desillusioniert wurde. Auch hinter verschlossenen Türen, in den Ausschüssen, laufe es nicht anders als im Plenum. Die Opposition arbeite „für den Mülleimer", die Regierung ziehe durch. Das System, so ihre These, forme selbst die Überzeugtesten um.

Und das System ist leider so aufgebaut, dass es selbst die größten Rebellen, die in den Bundestag einziehen und sagen, Ey, wir machen das jetzt anders, wir sind ganz anders, wir sind nicht so korrupt und wir lassen uns nicht kaufen, dass die innerhalb von kürzester Zeit im System ankommen.

Nicht die Fleißigen oder fachlich Guten kämen nach oben, sondern jene, die das Netzwerken beherrschten. Von Bundestag zu Bundestag beobachte sie eine Verschiebung – hin zu Abgeordneten, die sich lieber mit sozialen Medien beschäftigten als mit der eigentlichen Arbeit.

Also das, was nachkommt, das sind nicht die Hochqualifizierten, das sind die, weil dieses System so lange in die falsche Richtung gelaufen ist.

Warum sie die AfD verließ

Cotar nennt sowohl inhaltliche als auch strukturelle Gründe für ihren Austritt. Sie kritisiert innerparteiliche Intrigen, den Umgang mit außenpolitischen Themen und die Tatsache, dass sie von den eigenen Parteikollegen härter attackiert worden sei als von jeder Oppositionspartei. Auch die Debatte um den Ausschluss der „Liberalen" habe eine Rolle gespielt. Zugleich betont sie, das Verhalten sei kein AfD-spezifisches Phänomen, sondern menschlich – Annehmlichkeiten wie Fahrdienst oder Flüge habe auch sie genutzt.

Was sich ihrer Meinung nach ändern müsste

Im Gespräch fordert Cotar eine Amtszeitbegrenzung, mehr parteilose Abgeordnete, Volksabstimmungen nach Schweizer Vorbild sowie eine Trennung von Partei und Mandat. Als Reformmotor sieht sie am ehesten eine Führungsfigur, die sich von der Wiederwahl freimacht.

Wir bräuchten einen Kanzler oder eine Kanzlerin, die sagt, es ist mir völlig egal, ob ich nächstes mal wieder gewählt werde, es gibt hier Reformen in Deutschland, die wir durchführen müssen.

Volksentscheide hält sie nur für sinnvoll, wenn zugleich eine ihrer Ansicht nach neutralere Presse und ein besseres Bildungssystem existieren. In eine Partei will sie nach eigener Aussage nie wieder eintreten; das Konzept des „Team Freiheit", Partei und Mandat zu trennen, fasziniere sie jedoch. Ihr Buch Inside Bundestag soll am 16. Februar erscheinen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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