Folge #108 · Zu Gast: Seyran Ates

Seyran Ateş über den Iran: „Fällt mit dem Regime auch der Islamismus?“

Die Frauenrechtlerin und Imamin spricht im based.-Podcast über die Proteste im Iran, die Rolle des Regimes für den islamistischen Terror und ihre Kritik an Teilen der Linken.

2. Februar 2026 · based. Podcast
Seyran Ateş über den Iran: „Fällt mit dem Regime auch der Islamismus?“

Angesichts der jüngsten Protestwelle im Iran ist Seyran Ateş zum zweiten Mal zu Gast im Podcast based. Die Frauenrechtlerin und Imamin, die nach eigenen Angaben unter Personenschutz steht, ordnet die Lage ein: Sie berichtet über die Situation in ihrer Moschee, über die Bedeutung des iranischen Regimes für islamistische Bewegungen und über ihre Enttäuschung von Teilen der politischen Linken.

Der Iran als Zentrum des politischen Islam

Ateş beschreibt den Iran als treibende Kraft hinter islamistischem Terror in der Region. Das Regime unterstütze nach ihrer Darstellung Organisationen wie Hisbollah und Hamas – mit dem Ziel einer islamischen Weltordnung, die sie auch in Europa am Werk sieht.

Sie sind ja dabei, ganz Europa zu unterwandern, das ist keine Verschwörungsideologie und kein Hirngespinst von mir.

Diese Bestrebungen bezeichnet sie als koloniales Projekt und wirft Teilen der Linken vor, den Widerspruch zu übersehen, wenn sie Israel Kolonialismus vorwerfen, zugleich aber islamistische Organisationen unterstützten.

Hier ist eine Kolonialmacht an der Speerspitze und die Linken sehen genau diesen Effekt nicht, weil sie dann wieder all das leugnen müssten.

Kopftuch, Geschlechter-Apartheid und die Rolle der Frauen

Ausführlich spricht Ateş über die von ihr so genannte Geschlechter-Apartheid im Iran und über das Kopftuch. Als gläubige Muslimin unterscheidet sie zwischen einer friedlichen, spirituellen Religion und dem politischen Islam. Die Verhüllung von Frauen lasse sich, so ihre Argumentation, mit Bildern aus der europäischen Vergangenheit vergleichen.

Gefragt, ob sie einer eigenen Tochter das Kopftuch verbieten würde, antwortet sie im Gespräch mit Co-Host Jan Feddersen deutlich. Zugleich betont sie ihre Grenzen etwa bei Lehrerinnen oder Richterinnen im öffentlichen Dienst, wo sie sich einen möglichst neutralen Staat wünscht.

Hoffnung auf einen Wandel

Trotz der hohen Opferzahlen und einer gespaltenen Opposition hält Ateş einen Umsturz für möglich – und vergleicht die Wirkung mit einem historischen Ereignis. Ein Eingreifen von außen halte sie für notwendig, weil das iranische Volk es aus sich heraus nicht schaffe. Am Ende, so ihr Wunsch, solle das iranische Volk selbst entscheiden.

Ein Ende des Regimes hätte nach ihrer Einschätzung Folgen weit über die Region hinaus – bis nach Deutschland, wo dann auch ein friedlicher Islam anerkannt werden könne.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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