Folge #107 · Zu Gast: Jakob Springfeld

„Wie nah all diese Dinge in deinem direkten Umfeld stattgefunden haben“ – Jakob Springfeld über den Kampf gegen Rechts

Der antifaschistische Aktivist Jakob Springfeld aus Zwickau spricht in Folge 107 von „based.“ über den NSU-Komplex vor der eigenen Haustür, die Frage nach Gewalt als Mittel und die Grenzen der Meinungsfreiheit.

26. Januar 2026 · based. Podcast
„Wie nah all diese Dinge in deinem direkten Umfeld stattgefunden haben“ – Jakob Springfeld über den Kampf gegen Rechts

In der 107. Episode des Podcasts „based.“ ist der 2002 geborene Aktivist und Buchautor Jakob Springfeld aus Zwickau zu Gast. Er berichtet, wie ihn das Ehrenamt seiner Eltern politisierte, wie er über den nationalsozialistischen Untergrund (NSU) in seiner Heimatstadt erst spät Bescheid wusste – und wie er heute Lesungen an Schulen und Proteste organisiert.

Der NSU vor der eigenen Haustür

Zwickau war ein Rückzugsort des NSU. Springfeld beschreibt, wie sich für ihn nach und nach das Ausmaß offenbarte – etwa an einer Sparkassenfiliale in der Nähe seiner Grundschule.

Und diese Sparkassenfiliale wurde damals von den NSU Terroristen ausgeraubt und mit diesem Geld wurde eben ihr weiteres Leben im Untergrund finanziert.

Erst mit dem Schreiben seines ersten Buches habe er die Zusammenhänge erkannt, so Springfeld.

Wenn du einmal angefangen hast, dich damit auseinanderzusetzen, dann bist du wirklich von einem Puzzleteil zum nächsten gekommen und hast gecheckt, wie nah all diese Dinge in deinem direkten Umfeld stattgefunden haben.

Die Frage nach Gewalt

Im Gespräch geht es auch um Zitate aus seinen Büchern und um die Frage, ob Gewalt als Mittel im Kampf gegen Neonazis legitim sein kann. Springfeld ordnet seine Position ein, indem er auf die NS-Zeit verweist – zugleich betont er, dass dieser Zeitpunkt seiner Ansicht nach nicht erreicht sei.

Ich glaube, dass man sich gesamtgesellschaftlich recht gut darauf einigen kann, dass es ab einer gewissen Phase der NS Machtergreifung legitim gewesen ist auch Gewalt als Mittel gegen im Kampf gegen Neonazis oder gegen Nazis zu betrachten.

Er halte den Moment für noch nicht gekommen, es gebe „aktuell noch viele demokratische Mittel“, die es auszuschöpfen gelte. Zugleich zeigt er sich selbstkritisch mit Blick auf die eigene Biografie: Als 14- oder 15-Jähriger habe er in der Schule „hitlergrüße gezeigt“, weil er dachte, es sei cool – „aber es war nicht cool, es war rechtsextrem, es war rassistisch und es war einfach falsch“.

Meinungsfreiheit und ihre Grenzen

Auf die Frage, wie mit vermeintlich antidemokratischen Äußerungen umzugehen sei, plädiert Springfeld für Widerspruch und Protest – zieht aber eine klare Linie bei Diskriminierung.

Was halt klar die Grenzen von Meinungsfreiheit in Form von Diskriminierung oder Ähnlichem überschreitet, da muss es Grenzen geben und da muss es auch Regulierungen geben, aber alles andere was demokratisch meinungsfreiheitlich gedeckt ist, darf natürlich stattfinden und geäußert werden.

Mit Blick auf die AfD spricht sich Springfeld dafür aus, ein Verbotsverfahren „zumindest mal in Erwägung“ zu ziehen. Zugleich warnt er davor, allein über die extreme Rechte zu reden: Sein Ansatz sei, jene lauter zu machen, „die noch nicht antidemokratisch drauf sind“. Eine einfache Antwort, wie enttäuschte Wählerinnen und Wähler zurückzugewinnen seien, habe er nicht: „Ich hätte sie gerne, aber ich habe sie nicht gefunden.“

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

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