Ingmar Stadelmann über Höcke, Humor und das Reden mit dem Gegner
Der Comedian und Kabarettist erklärt im „based."-Podcast, warum er Björn Höckes Buch auf die Bühne bringt – und weshalb es ihm nicht um AfD-Bashing geht.
In der 104. Episode des Podcasts „based." ist Ingmar Stadelmann zu Gast. Der Comedian, Autor und Kabarettist tourt mit seinem Programm „Stadelmann liest Höcke", in dem er politische Texte vorträgt und seziert. Im Gespräch mit den Hosts Benny und Jan Feddersen geht es um die Frage, wie man mit rechten Positionen umgeht – auf der Bühne und im Alltag.
Warum ausgerechnet Höcke?
Stadelmann beschreibt den Ausgangspunkt seiner Show als eine Art Selbstauftrag: Er wollte verstehen, was das Problem an der Figur Höcke ist, statt sich auf mediale Zuschreibungen zu verlassen.
Was ist denn jetzt das Problem an Höcke? Also wenn jemand fragt, wieso findest du den so doof, da muss ich ja sagen können, weil oder so.
Zugleich betont er, dass es ihm nicht um plakative Empörung geht. Die Erwartung, er würde einfach gegen die Partei austeilen, weist er zurück.
Die Erwartbarkeit ist sonst so hoch finde ich, ne, man sitzt dann da und denkt, jetzt gib das dem Höcke, jetzt machen wir hier AfD-Bashing, und das ist überhaupt nicht der Plan bei der Show.
Das Buch als Inszenierung
Höckes Buch hält Stadelmann in weiten Teilen für eine Inszenierung, die aus seiner Sicht nicht funktioniert. Er verweist auf ideologische Aufladungen und Begriffe wie Remigration, die dort bereits angelegt seien. Sein Ziel sei es, nicht die moralische Bewertung voranzustellen, sondern das Gefährliche zu benennen: dass radikale Positionen dann wirksam werden, wenn sie in der Mitte anschlussfähig sind. Als „falschen Hasen" liest er auf der Bühne zunächst Passagen aus Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab", ohne dass das Publikum es zunächst bemerkt.
Reden statt ausgrenzen
Ein zentrales Anliegen ist Stadelmann der Dialog. Er kritisiert eine aus seiner Sicht verlorengegangene Streitfähigkeit im linken Spektrum und plädiert dafür, das Gespräch mit Andersdenkenden zu suchen.
Wir müssen in der Lage sein, uns mit dem Gegner zu unterhalten oder mit dem, der anders denkt, mit dem zu sprechen, und wir müssen es auch hinbekommen ohne eine moralische Abwertung der anderen Positionen einzugehen.
Er unterscheidet dabei zwischen einer politischen und einer sozialen Brandmauer: Die soziale müsse aus seiner Sicht weg, weil Isolation radikale Haltungen eher verfestige als auflöse. Grenzen zieht er jedoch klar bei extremistischen Positionen, bei denen kein Kompromiss möglich sei.
Im weiteren Verlauf spricht Stadelmann über seine ostdeutsche Herkunft, die Mentalität in der Altmark und über Erklärungsversuche für die Wahlerfolge der AfD im Osten. Zum Abschluss der Folge, kurz vor Weihnachten, gibt er einen unaufgeregten Rat: einfach mal zusammen feiern – gestritten und diskutiert werden könne ja ab dem 1. Januar wieder.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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