Folge #103 · Zu Gast: Jonathan Meese

Jonathan Meese über die "Diktatur der Kunst": "Bitte alle Politiker, dankt ab"

Der Künstler Jonathan Meese fordert im based.-Podcast das Ende von Parteien und Religionen – und die Herrschaft der Kunst. Ein Gespräch über Liebe, Richard Wagner und den "kein Parteienstaat".

15. Dezember 2025 · based. Podcast
Jonathan Meese über die "Diktatur der Kunst": "Bitte alle Politiker, dankt ab"

In der 103. Folge des Podcasts based. ist der Künstler Jonathan Meese zu Gast. Er gilt als einer der radikalsten Künstler Deutschlands und predigt seit Jahren die sogenannte "Diktatur der Kunst". Das Gespräch dreht sich um seine Ablehnung von Politik und Religion, um seine Mutter, die er als Kunst begreift, und um seinen Wunsch nach einem grundlegenden Neuanfang.

Abschied von Parteien und Politik

Meese sieht die Politik als überholt an und plädiert für ein staatliches System ohne Parteien. Wählen sei für ihn kein erstrebenswerter Zustand, weil man dabei nur Ideologien wähle. Seine zentrale Forderung formuliert er direkt an die politische Klasse:

Wir haben den kein Parteienstaat noch nicht gehabt, den müssen wir anstreben, denn kein Parteienstaat. Das ist einfach die Forderung, die die Kunst stellt. Bitte alle Politiker, dankt ab, es ist gut für euch und für alle anderen auch, wir brauchen keinen Menschenführer mehr.

Neue Parteien hält er dabei nicht für eine Lösung. Auch sie würden am bestehenden System nichts ändern.

Wir brauchen auch keine Parteien mehr und zwar gar keine mehr und es wird auch keine neue Partei geben, die es irgendwie besser macht, nein sie wird es genauso machen wie jede andere, nämlich falsch

Kunst statt Demokratie

Auf die Frage, warum es eine Diktatur und nicht eine Demokratie sein müsse, verweist Meese auf die Natur. Für ihn ist Diktatur nur dann problematisch, wenn sie von Menschen ausgeht – nicht aber, wenn sie von natürlichen Kräften kommt. Liebe und Natur beschreibt er als Mächte, die den Menschen ins Leben ziehen, ohne demokratisch verhandelt zu werden.

Die Sonne ist ein guter Diktator, genauso wie der Schlaf oder die Natur selber oder der Wald oder das Essen, was ich esse, das sind keine demokratischen Einheiten

Die Kunst versteht Meese als objektive Kraft, die überlebt, während politische und religiöse Systeme vergänglich seien. Vom Pharao, so sein Beispiel, sei nur die Kunst geblieben, nicht dessen politisches Denken.

Der Blick nach vorn

Trotz seiner scharfen Ablehnung von Parteien und Religionen betont Meese wiederholt, dass er sein Anliegen liebevoll verstanden wissen will. Sein Rat lautet, bei sich selbst anzufangen, den eigenen Alltag als Kunst zu begreifen und die Verantwortung nicht an andere abzugeben. Auch beim Umgang mit sich selbst formuliert er einen Appell, der das Gespräch prägt.

kämpf gegen dich selbst

Meese verweist immer wieder auf Richard Wagner, den er als "Chef" eines von ihm ersehnten "Gesamtkunstwerks Deutschland" bezeichnet. Am Ende des Gesprächs wünscht er sich, dass die Kunst über Nacht an die Stelle von Politik und Religion treten könnte – vorausgesetzt, die Menschen entschieden sich selbst dafür, überkommene Strukturen abzuschaffen.

Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.

← Alle Folgen
💚Unterstütze based.