Migrationsforscher Koopmans: „Das ist ein chaotisches, menschenunwürdiges System“
In Folge 101 von „based.“ spricht der Soziologe Ruud Koopmans über Islamismus, das europäische Asylsystem und die Rolle der Linken – mit teils pointierten Thesen.
In der 101. Folge des Podcasts „based.“ ist Ruud Koopmans zu Gast, Professor für Soziologie und Migrationsforschung an der Humboldt-Universität. Er berät nach eigenen Angaben das Bundesinnenministerium in einem Expertenkreis zum Thema Islamismus. Im Gespräch mit den Hosts geht es um die Verbreitung fundamentalistischer Einstellungen, um das europäische Asylsystem und um die Frage, warum bestimmte Islamverbände politisch hofiert werden.
Streit um den Begriff „Islamophobie“
Koopmans kritisiert im Gespräch den Begriff der Islamophobie und grenzt Religionskritik ausdrücklich von Diskriminierung ab. Kritik am Islam versteht er als legitimes Bürgerrecht, während er die Benachteiligung von Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit klar ablehnt.
„Religionskritik gehört doch zu den Errungenschaften der westlichen Gesellschaft und und deshalb darf ich über den Islam sagen, muss gar nicht stimmen, ich darf, ich darf den Islam sogar hassen, da ist nichts Falsches dran.“
Den Begriff Islamophobie hält er für eine politische Waffe: „es gibt Diskriminierung von Muslimen, das wäre der richtige Begriff, also der Begriff Islamophobie mag ich gar nicht.“ Diesen deutet er als „eine Erfindung von Islamisten, um sich selbst sozusagen aus der Kritik zu ziehen.“ Zugleich verweist er auf eine Studie zur Arbeitsmarktdiskriminierung, an der er beteiligt war und die eine Benachteiligung von Menschen muslimischen Glaubens sowie von Menschen mit schwarzer Hautfarbe belegt habe.
Kritik am Asylsystem
Deutlich wird Koopmans bei der Bewertung des bestehenden Asylsystems. Er beschreibt es als „Lotterie“, weil Schutz erst gewährt werde, wenn Menschen eine europäische Außengrenze erreichten – ein Weg, der viele Todesopfer fordere und häufig nicht den Bedürftigsten zugutekomme.
„Das ist ein chaotisches, Menschenunwürdiges, Inhumanes und total tödliches System, das wir haben, also besser als das muss schon gehen.“
Als Alternative schlägt er ein System vor, in dem Staaten proaktiv Kontingente aus Krisenregionen aufnehmen, sowie Asylverfahren in Drittstaaten außerhalb der EU. Grenzkontrollen, wie sie Bundesinnenminister Dobrindt verstärkt habe, sieht er nur als befristete Maßnahme, bis eine „strukturelle Lösung“ gefunden sei. Massenhafte Abschiebungen hält er dagegen für unrealistisch.
Islamismus, Herkunftsländer und die Linke
Fundamentalistische Einstellungen seien nach Koopmans’ Einschätzung in den Herkunftsländern deutlich weiter verbreitet als unter Muslimen in Europa. Radikalisierung führt er weniger auf sozioökonomische Faktoren als auf ideologische Prägungen zurück. Kritisch blickt er auf die Nähe mancher Politiker zu großen Islamverbänden – und begründet sie unter anderem mit dem Wählerpotenzial.
Zugleich ordnet er die aus seiner Sicht selektive Wahrnehmung von Extremismen bei Teilen der Linken historisch und strategisch ein. Zur Zukunft äußert er sich mit Blick auf den demografischen Wandel warnend: Ohne Gegenmaßnahmen könnten sich bestehende Probleme in einigen Jahrzehnten „potenzieren“. Assimilation hält er dabei für notwendig.
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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