Jan Feddersen wird Host bei „based.“ – ein taz-Redakteur wechselt die Bühne
Zur 100. Folge verkündet der Politik-Podcast einen prominenten Neuzugang. Der langjährige taz-Redakteur erklärt, warum er über die Lagergrenzen hinweg reden will – und was ihn am heutigen Journalismus stört.
Die 100. Folge von based. steht ganz im Zeichen eines Neuzugangs: Jan Feddersen, seit 1996 taz-Redakteur, wird künftig als Host des Podcasts mitwirken. Im Gespräch mit den beiden Gastgebern erklärt er seine Beweggründe – und macht deutlich, dass er seine Herkunft aus dem linken Spektrum nicht als Widerspruch zu einem liberalen Format begreift.
Warum der Wechsel?
Feddersen betont, er habe seine politische Identität nicht abgelegt, sondern suche den Austausch über Lagergrenzen hinweg. Das Format lobt er für seinen Ansatz, Brücken zu bauen.
Ich bin nun mal einfach öffentlich wahrnehmbar als Redakteur und öffentlicher Performer auch in der taz, aber ich fand based immer großartig.
Seine Entscheidung habe, wie er sagt, persönliche wie politisch-kulturelle Gründe. Auf bestimmte Milieus habe er keine Lust mehr – gemeint sind abgeschottete Debattenräume, in denen man den Austausch mit Andersdenkenden für überflüssig halte.
Kein Heimspiel für niemanden
Für den Journalismus, den er sich wünscht, formuliert Feddersen eine klare Erwartung: Weder linke noch konservative Gäste sollten sich bei based. auf leichtes Terrain verlassen. Gründliches Fragen und Widerspruch gehörten dazu.
Auch eher konservative Stimmen können nicht damit rechnen, dass sie hier einfach ein gratis Heimspiel bekommen. Also so verstehe ich das. Alles andere wäre langweilig und das ist die Todsünde im Journalismus.
Reden wolle er mit fast allen – mit einer Ausnahme, die er selbst zieht: „ich rede mit allen, außer mit Nazis.“ Ein Björn Höcke etwa verdiene Investigation, aber keine Einladung in eine Talkrunde.
Meinungsfreiheit und Debattenkultur
Beim Thema Meinungsfreiheit positioniert sich Feddersen betont liberal. Er erkennt zwar das strafbewehrte Verbot der Holocaust-Leugnung an, plädiert ansonsten aber für weitgehende Freiheit der Rede – bei gleichzeitiger Bereitschaft zum Widerspruch.
Ich bin aber ansonsten der Meinung, dass alle alles sagen können, ich muss da ja nicht gleich mit Traumatisierung drauf reagieren, was Meinungsfreiheit anbetrifft, beinahe fundamentalliberal.
Meldestellen wie die beim hessischen Innenministerium angesiedelte lehnt er ab; sie führten nur „zu einer Kultur des Verdachts“. Zugleich kritisiert er das reflexhafte Etikett „umstritten“, mit dem Personen abgewertet würden – ein Vorwurf, der auch ihn selbst treffe.
Feddersen erzählt zudem von einer Taxifahrt durch Berlin, bei der er einen mutmaßlichen AfD-Wähler in ein biografisches Gespräch verwickelte – für ihn ein Beispiel dafür, dass Dämonisierung sich schnell auflösen lasse, wenn man einander tatsächlich zuhöre. Diese Haltung, so das Fazit der Jubiläumsfolge, soll den Podcast künftig zu dritt prägen: „Ich wünsche mir einen Ton aufgeklärter, besessener Heiterkeit, mehr nicht.“
Kurzfassung der Folge — das ganze Gespräch hört ihr im Podcast.
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